Von Riesenbechern, Hirschen und komplizierten Duschen

Vom Bryce Canyon fahren wir in die Backofenhitze von Page. Die Stadt liegt am Lake Powell, einem Stausee, der die gesamte Umgebung mit Wasser versorgt. Es ist 38 Grad im Schatten, zum Glück können wir in dem See auch baden, um uns etwas abzukühlen. Gecampt wird auf einem einfachen Campingplatz am See mit Plumpsklo und ohne fließend Wasser für 14 Dollar pro Nacht. Leider gibt es dort unendliche viele kleine Distelsträucher, in die man regelmäßig hineintrampelt, was meist intuitiv in einem lauten „au“ resultiert, da sich die Dornen durch die Flip Flops hindurchbohren. Page liegt genau auf der Grenze zwischen Utah und Arizona. In Utah gibt es die Sommerzeit, in Arizona jedoch nicht. Ganz schön kompliziert, wenn man öfters am Tag zwischen den verschiedenen Zeitzonen hin und herfährt. Das sorgt für Verwirrung und Diskussionsstoff zwischen Flo und Simona, ob man jetzt eine Stunde vor oder zurückrechnen muss und wie viel Uhr es jetzt tatsächlich ist. Struppel und ich halten uns da raus. Am Abend liegen wir unter dem wunderschönen Sternenhimmel und hören unseren neuen Radio-Lieblingssender: 98,3, the Bandit – the best Countrysongs between Grand Canyon and Glen Canyon.  Ein Traum.

Am nächsten Tag machen wir eine Tour im Lower Antelope Canyon mit. Dort fällt das Licht durch einen Schlitz um die Mittagszeit so auf die Wände, dass man wunderschöne Farbenspiele sieht. Auf den Fotos sieht das ganze sogar noch toller aus, als in echt. 🙂 Das ganze ist aber schon eine große Touriveranstaltung. Deshalb hängen am Eingang auch Schilder, man solle während der Tour keine Selfie-Sticks benutzen. Auf unserem Weg Richtung Grand Canyon machen wir noch eine kleine Wanderung zur Horseshoe-Bend, eine besonders eindrucksvolle Windung des Colorado River. Bei Temperaturen um 35 Grad sind wir danach so durstig, dass wir ein „Polar Pop“ ausprobieren. Man fahre dazu eine Tankstelle an, nehme sich einen Becher (von M bis XXL, de fakto ist der M-Becher aber schon XXXXXL), fülle es zuerst mit jede Menge Eiswürfeln und dann mit einem Softdrink (Wasser gibt es nicht), mache einen Deckel mit Strohhalm drauf und fertig ist der Spaß. Wahlweise kann man den Riesenbecher in den Trinkpausen auch in den Getränkehalter von Commander Bill stellen. Gestärkt durch jede Menge Zucker und Eis machen wir uns auf den Weg zum Grand Canyon. Zum Glück fahren wir einige Hundert Höhenmeter nach oben, sodass es – trotz angekündigter Hitzewelle – oben am Rand des Canyon mit ca. 31 Grad im Schatten recht angenehm ist. Trotzdem warnt uns die Rangerin schon am Eingang davor, in den Canyon hinein zu wandern, denn am tiefsten Punkt werden Rekordwerte von 46 Grad im Schatten erwartet. Schade, denn das hatten wir eigentlich vor. Aber unser Leben ist uns dann doch zu wichtig, also muss der Plan eine Änderung erfahren. So wandern wir nur am Rim (Rand) entlang und bis zum Uuuuh-aaaah-Point auf 3km (250 Höhenmeter) in die Tiefe (der ganze Weg wären 15km hin und 15km wieder zurück gewesen, wahlweise mit Übernachtung am tiefsten Punkt). Auf dem Rückweg liegen auch einige Uff-Punkte, sodass wir froh sind, nicht ganz nach unten gegangen zu sein. Am Beginn der Wanderwege gibt es überall Schilder, was man unbedingt zu den Wanderungen mitnehmen soll. Dazu gehören außer dem Sonnenhut und einer Gallone (das sind ca. 4l) Wasser pro Person auch die mehrfach erwähnten „salty snacks“, um den Salzverlust durch das Schwitzen wieder auszugleichen. Kein Problem – die Tüte Chips ist nach einer anstrengenden Wanderung im Nu verzehrt. Da wir im Grand Canyon nicht früh genug unser Handtuch auf die Liege gelegt haben, betreiben wir auch hier wieder dispersed Camping einige Kliometer vor dem Parkeingang. Im Park gibt es jedoch eine zentrale Dusche, die man gegen eine Gebühr von 2 Dollar nutzen kann. Dazu braucht man die 2 Dollar in Form von acht Quarter-Stücken. Zum Wechseln gibt es einen Wechselautomat. Leider haben wir nur einen 20-Dollar-Schein. Diesen hat Flo schon in den Automaten gesteckt, bevor Simona auch nur Luft geholt hat, um zum Protest anzusetzen. Das Ergebnis sind ein gefühlt 5-minütiges Rattern des Automaten und 80 Quarter-Münzen (wir haben nicht nachgezählt), von denen wir nur acht brauchen. Also stellt sich Flo nach der Dusche als wandelnder Wechselautomat vor den eigenentlichen Wechselautomaten und tauscht fast alle Quarters wieder in Scheine zurück. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz zum Abendessen begegnet uns ein Hirsch, der in Ruhe vor sich hin grast. Unser Abendessen kochen wir jeden der zwei Abende im Park im Sonnenuntergang am Rand des Canyons, sogar mit Kerze in einem leeren Pestoglas. Für so ein Candle-Light-Dinner bezahlen manche Leute sehr viel Geld. Auch der Grand Canyon ist ein Hightlight. Neben dem Elch und den beeindruckenden Aussichten in den riesigen Canyon sehen wir auch noch jede Menge goldiger Squirrels und Simona begegnet ihrem ersten Kolibri.

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