So viel Sand und keine Förmchen

Im Westen Namibias liegt der Namib-Naukluft-Nationalpark, eine riesige sandig-staubige Wüste. Innerhalb dieses Parks unten links befinden sich äußerst fotogene rote Sanddünen. Da müssen wir natürlich hin. Auch wenn „unten links“ bedeutet: 300km Gravelroad, egal woher man kommt. Aber auch der Weg zu den Dünen hat seinen Reiz: Wir fahren durch hügelige Landschaften und einsame Steppe.

Am ersten Abend schaffen wir es gerade noch so zum Sonnenuntergang, denn die Dünen liegen nochmal 65km vom Nationalparkcampingplatz entfernt. Nachdem wir die im Abendlicht wunderschön rot leuchtenden Dünen bestaunt haben, machen wir uns nach Sonnenuntergang auf den Rückweg, denn um 18:30 Uhr schließt das Tor zum Campingplatz. Die letzten 2km auf dem Weg zu den Dünen bzw. die ersten 2km zurück bestehen aus sehr weichem und sehr tiefem Sand. Auf dem Rückweg bleiben wir im Sand stecken. Weit und breit ist niemand mehr zu sehen. Wir sehen uns schon dort unser Zelt aufschlagen, als Flo es doch noch schafft, uns mit einigen Tricks aus dem Sand rauszuschaukeln.

Beim Abendessen auf dem Campingplatz kommt ein Spießbock vorbei und guckt mal,  wer die neuen Nachbarn sind.  Ein Spießbock ist etwas kleiner als eine Kuh und guckt unheimlich putzig. Wenn er aber auf 50cm Abstand mit am Tisch steht, ist er doch ziemlich groß. Kollege Spießbock kommt noch ein zweites Mal vorbei, um zu schauen, ob es noch ein paar Reste vom Abendessen gibt. Wir haben aber alles aufgegessen.

Am nächsten Morgen stehen wir ganz früh auf, damit wir pünktlich zum Sonnenaufgang an den Dünen sind. Auch im Morgenlicht leuchten diese wunderschön. Aber um 6:30 Uhr ist es in der Wüste bitterkalt. Danach machen wir eine Wanderung zum Dead Vlei und laufen ein bisschen auf dem Kamm einer Düne herum. Das ist ganz schön anstrengend. Bei Sonnenuntergang vergessen wir beim Fotografieren so die Zeit, dass wir 5 Minuten zu spät wieder am Tor des Campingplatzes sind. Der Wächter hätte gerne eine kleine Gebühr für die Verspätung und das nochmalige Aufschließen des Tors. Simona macht ihm freundlich aber bestimmt klar, dass wir kein Schmiergeld zahlen werden. Als Alternative schlägt sie vor, das Zelt an Ort und Stelle aufzuschlagen. Mürrisch macht der Wächter dann doch das Tor auf. Er fürchtet bestimmt um die weiteren Einnahmen des Abends, denn hinter uns haben sich noch mindestens 2 weitere Autos verspätet.

Auf dem Rückweg von den Dünen fahren wir einen kleinen Umweg über Swakopmund am Meer. Zwei lange Stunden geht die Fahrt nur durch sandige Wüste. Flo bewässert den einzigen vertrockneten Strauch weit und breit. Einfach so dahinpinkeln geht ja nicht, man braucht schon einen Baum oder zumindest etwas baumähnliches. Wir fahren zunächst nach Walvis Bay am Meer. Dort sehen wir hunderte Flamingos in einer Lagune. Dann geht es weiter ins 30km entfernte Swakopmund. Hier ist es im Vergleich zu den letzten 3 Wochen mit 20 Grad sehr windig und kalt. Wir legen uns in unser Zelt und lesen ein paar Fakten über die vielen Tiere nach, die wir gesehen haben.

Die Zunge einer Giraffe ist bis 50cm lang und an der Zungenspitze stark pigmentiert, damit sie keinen Sonnenbrand auf der Zunge bekommt. Eine Giraffe hat einen Blutdruck von 280/180mmHg, damit auch der 3 Meter höhere Kopf ausreichend durchblutet werden kann. An den Beinen hat sie besonders feste Haut, die wie ein Kompressionsstrumpf wirkt. Ihre Babys gebärt die Giraffe im Stehen, sodass das Baby erstmal 2 Meter runterfällt, wenn es das Licht der Welt erblickt. Zu den Elefanten gab es auch einige interessante Fakten. Ein Elefant wiegt zwischen 2000 und 6000 Kilogramm und frisst täglich 200kg Nahrung. Allein der Backenzahn eines Elefanten wiegt 5kg. Er läuft auf Zehenspitzen und hat zur Stabilisierung einen sechsten Zeh.

Und last but not least der Flamingo. Er hat einen besonderen Arretierungsmechanismus beim Stehen auf einem Bein und kann dies somit auch ohne Muskelkraft tun. Wenn kein Wind weht kann theoretisch auch ein toter Flamingo weiter auf einem Bein stehen. Nachdem wir uns ausführlich bei Wikipedia über alle Tiere informiert haben, gehen wir zum Abschluss unserer Reise in die Tiger Reef Bar direkt am Meer. Das Essen ist fantastisch und das Flair zwischen Lagerfeuer und tosenden Wellen urig gemütlich.

Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Windhoek und geben unseren Toughi wieder ab, denn um 20:35 Uhr geht unser Flug zurück nach Deutschland. Flo hat sich vorgenommen, seinen roten North-Face-Lieblings-Kapuzenpullover nicht wieder mit nach Deutschland zu nehmen, denn der fällt an allen Ecken und Enden auseinander. Da wir in den letzten drei Wochen häufig Menschen gesehen haben, die diesen Pulli noch gut gebrauchen könnten, schmeißen wir ihn nicht weg. Flo fragt eine namibische Putzfrau bei der Autovermietung, die diesen Pulli liebend gerne für ihre Verwandten mitnimmt.  Sie strahlt über das ganze Gesicht. Wir beobachten, wie sie den Pulli zwischen zwei Kissen versteckt, damit ihn niemand anderes klaut. So darf Flos Lieblingspulli in Afrika noch ein bisschen weiterleben.

Morgens um 7:55 Uhr landen wir pünktlich und  wohlbehalten wieder in Frankfurt. Wir schrubben 3 Tage, bis unsere Füße wieder sauber sind und gewöhnen uns langsam wieder an die weißen und grauen Flecken am Himmel. 🙂

Wir bedanken uns bei allen „Mitfahrern“, dass ihr euch so sehr mit uns freut 🙂

2 Gedanken zu “So viel Sand und keine Förmchen

  1. natürlich, Florian, der einzige Baum in der Wüste ist Deiner, hübsch, eigentlich bin ich Schuld, diese Methode habe ich Dir im Nordbad mühsam beigebracht. Der Sand ist ja unglaublich rot, schön und danke für den letzten Bericht, genießt dann Euer zu Hause, liebe Grüße, Oma …

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  2. Liebe Afrikaurlauber, wir konnten Euren Bericht leider erst heute lesen. Und er ist so spannend und toll geschrieben, dass wir wahrlich mitgefiebert haben. Eure Erlebnisse sind wirklich eine „starke Nummer“, mutig und abenteuerlich, und Ihr seid den Tieren doch sehr nahe gekommen! Löwen beim Frühstück, durchs Wasser waten, mit so einem kleinen Bötchen fahren und auch noch die Möhre aus dem Wasserreich der Krokodile holen, im Sand steckenbleiben, dann die Autowasserfahrt. Wir sind erleichtert, dass Ihr nach diesen wirklich vielen nicht ganz ungefährlichen Abenteuern jetzt gerade wieder fröhlich mit Euren drei niedlichen Gesellen in Aachen sitzt! Danke für diesen wunderschönen Bericht und die tollen Bilder! Eure Mama & Papa / Ulrike & Mischa

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