Schon nach kurzer Zeit haben wir uns wieder an den Linksverkehr gewöhnt. Nur ab und an wird beim Abbiegen noch die Scheibe gewischt. Blinken ist aber bald aus zwei Gründen nicht mehr nötig. Erstens: Es gibt niemanden mehr außer ein paar Emus, für die man blinken müsste. Und zweitens: Die Straße geht Kilometerlang einfach nur geradeaus (der aktuelle Rekord liegt bei 62km und wäre sogar noch getopt worden, wenn wir nicht links zur Shark Bay abgebogen wären…). Die Shark Bay bezeichnet eine Halbinsel ca. 800km nördlich von Perth, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Bekannt ist sie vor allem für die Delfine von Monkey Mia, die jeden Morgen dorthin kommen. Es gibt aber auch viele kleine Riffhaie dort, was der Bucht ihren Namen gibt.
Wir steuern zunächst die „Hauptstadt“ der Shark Bay, Denham, an. Mit 1000 Einwohnern handelt es sich hierbei nicht um eine Großstadt :-). Hier wollen wir uns auf die Suche nach einem Four-Wheel-Drive-Verleih machen, um in den nächsten Tagen ein Auto für den Francois Peron Nationalpark (nur mit Allradfahrzeug befahrbar) auszuleihen. Der Verleiher, den wir eigentlich im Auge hatten (Jeep mit Dachzelt, sodass wir über Nacht im Park bleiben können), hat leider sonntags zu. Da genau aber der Sonntag in unseren Plan passen würde, müssen wir uns eine Alternative überlegen. Wir finden in Denham, das übrigens im Wesentlichen nur aus einer einzigen Straße am Meer besteht, ein sehr nettes Ehepaar, das neben Strandappartments glücklicherweise auch noch Four-Wheel-Drives vermietet. Sie sind sehr nett und reservieren uns formlos ein Auto für Sonntag. Zufrieden über die geglückte Mission machen wir uns auf den Weg in das ca. 40km entfernte Monkey Mia, wo wir auf dem Campingplatz übernachten wollen. Wir bekommen einen wunderschönen Stellplatz mit Meerblick. In der untergehenden Sonne beobachten wir bei einem Bier/einer Sprite/einem Möhrensaft/einem Eukalyptustee die Pelikane am Strand, die bei den Anglern am Strand mal nachschauen, ob zufällig noch ein Fisch übrig ist. Simona und Flo sind ganz entzückt. Etwas kitschig wird es, als im Sonnenuntergang auch noch zwei Delfine am Strand vorbeischwimmen, aber es ist wirklich so. Kann man nix machen.
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, denn jeden Tag um 7:45 Uhr kommen die Delfine an den Strand. Das geht seit den 60er Jahren so, seit Fischer damit angefangen haben, vorbeikommende große Tümmler mit Fischresten zu füttern. Damit das auch so bleibt, bekommt jeder an den Strand kommende Delfin morgens 3 Fische von den Rangern. Das ist nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, dass jeder Delfin pro Tag ca. 10 kg Fisch fängt. Wenn man nach dieser Morgenattraktion mit recht vielen Touristen noch etwas länger an dem traumhaften Strand bleibt, kommen die Delfine bei etwas Glück noch einmal zurück. Und wir hatten Superglück. Nach einem Frühstück gehen wir mit Flos zweitem Kaffee und Badesachen zurück zum Strand. Wir haben uns noch nicht richtig nieder gelassen, da schwimmen schon wieder zwei Delfine im flachen Wasser. Richtig putzig ist es, zu beobachten, wie die Pelikane ganz unauffällig neben den Delfinen herschwimmen, um möglicherweise einen übrig gebliebenen Fisch zu ergattern, die die Delfine bei ihrer Jagd zusammentreiben. Wir wundern uns etwas: Es gibt einen wunderschönen Strand, an dem sich Delfine und Pelikane tummeln und außer uns sind nur etwa 15 andere Leute da. Finde den Fehler. Außer Simona ist auch niemand im Wasser, denn die Wassertemperatur beträgt etwa 18-20 Grad. Das ist für die meisten Australier (und auch für Struppel, Flo und mich) definitiv zu kalt. Aber wann hat man schonmal die Gelegenheit, an 30 Meter entfernten Delfinen vorbeizuschwimmen? Diese Gelegenheit will Simona unbedingt nutzen! Draußen ist es mit ca. 26 Grad und recht starker Brise dagegen sehr angenehm. Wir verbringen den ganzen Tag am Strand unter einer Palme und beobachten Delfine und Pelikane, die sich bis zu unserer Abreise gegen 15:30 Uhr dort nicht wegbewegen. Wir können die Delfine beim Fische jagen und Herumtoben im Wasser beobachten.
Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zurück nach Denham, um schonmal die Formalitäten für unseren Ausflug in den Francois Peron Nationalpark am nächsten Tag zu erledigen. Auf dem Weg dorthin sitzt Flo am Steuer. Simona, die schon beim ersten Australienaufenthalt vergeblich darauf gewartet hat, einen Thorny Devil zu sehen, sagt aus Spaß: Ich mach mal die Augen ein bisschen zu. Weck mich, wenn du einen Thorny Devil siehst. Keine Minute später bremst Animal-Super-Watcher Flo scharf und kehrt um. Es sitzt ein Thorny Devil mitten auf der Straße. Er ist viel kleiner, als sich Simona ihn vorgestellt hat. Wir würden ihn gerne von der Straße treiben, da es sich auf der Mittelmarkierung sehr gefährlich lebt, auch wenn wenig Verkehr ist. Aber der kleine dornige Teufel ist in Schockstarre und bewegt sich auch nach anstupsen mit einem Stöckchen keinen Millimeter. Wir wissen nicht so richtig, was wir tun sollen. Das Tier sieht so pieksig aus, als sollte man das Anfassen tunlichst vermeiden. Fünf Minuten später entdeckt eine vorbeifahrende Australierin die verzweifelten Touris am Straßenrand und hält an. Als wir ihr unser Problem erklärt haben, lacht sie, geht auf die Straße und hebt den Thorny Devil hoch auf ihre Hand. Er ist also gar nicht so gefährlich und pieksig wie er aussieht! Auf Flos Hand sitzt er auch wunderbar ruhig und posiert für ein Foto. Auf Simonas Hand ist er nicht so glücklich und möchte auf den Boden zurück. Wir setzen ihn weit genug weg von der Straße im Gebüsch aus. Jetzt wissen wir, was beim nächsten Thorny Devil auf der Straße zu tun ist. Auf dem weiteren Weg merkt Flo an, dass wir zwar schon Pelikane, Delfine, Emus, Wale und einen Thorny Devil gesehen haben, aber zumindest bei dieser Australienreise außer Finchen noch kein Känguru. Während wir einige Kilometer weiter eine Emufamilie über die Straße lassen, kommt ein weiteres Tier näher, das sich irgendwie komisch bewegt…es hüpft…es ist ein Känguru. Was für ein Tag. Wir sind leicht manisch.
Abends kochen und essen wir an einem wunderschönen Aussichtspunkt hoch über dem Meer, wo man aber leider nicht übernachten darf (wir wollen es auch nicht drauf ankommen lassen, denn Verstöße kosten 500 AUD Strafe). Deshalb fahren wir ein paar Kilometer weiter auf einen Gravel-Parkplatz am Straßenrand des Scenic Drive bei Denham. Hört sich total unromantisch an, ist aber super romantisch. Nach Einbruch der Dunkelheit kommen auf dieser Straße noch exakt null Autos vorbei und wir haben beim Einschlafen und Aufwachen einen herrlichen Blick auf das Meer ganz für uns alleine.



















Es sind mal wieder unglaublich schöne Bilder und ein Bericht zum Schmunzeln! Liebe Grüße aus Essen
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