VON ONLINE-SPANISCHKURSEN, ORANGEROTEN TAXIS UND AFFEN OHNE SONNENBRAND

Nach über zwei Jahren Fernweh im Rahmen der Coronapandemie dürfen wir endlich wieder in ferne Länder reisen 🙂 Wir freuen uns sehr und wählen als Reiseziel den schon länger gehegten Traum von Costa Rica. Dazu muss man aber sagen, dass uns auch die Reisen der letzten beiden Jahre innerhalb Europas sehr gefallen haben und unser schöner Kontinent locker mit den anderen Kontinenten dieser Erde mithalten kann.
Jetzt freuen wir uns aber doch, auch mal wieder weiter weg zu fahren. Costa Rica liegt mitten in Mittelamerika, 1000km nördlich des Äquators, also in den Tropen. Auch Struppel und ich dürfen wieder mit. 🙂

Eine Woche vor Abreise riecht es im Quellenweg 11 wie in einem Chemielabor, denn Simona wendet die neu gewonnenen Kenntnisse ihrer Reisemedizin-Fortbildung an und imprägniert unser Mückennetz und sämtliche Kleidungsstücke von Simona und Flo mit Picardin gegen Mücken, die in den Tropen von Dengue über Zika und Chikunguna-Fieber bis hin zu Malaria so ziemlich alles übertragen können. Noch dazu sind Mückenstiche eben auch ziemlich lästig.
Die top imprägnierten Sachen und 4 Flaschen DEET für die Haut im Gepäck starten wir am Samstag, den 11. Juni 2022 um 13:45 Uhr am Flughafen in Frankfurt Richtung San Jose, der Hauptstadt von Costa Rica. Der Flug ist fast pünktlich. Mitten über dem Atlantik wird es kurz ziemlich hektisch, als der Rauchmelder im Flugzeug Alarm schlägt. Zum Glück war es nur ein megaschlauer Nikotinsuchtie, der ernsthaft geglaubt hat, Rauchen in der Flugzeugtoilette würde so gar nicht auffallen.
Um 18 Uhr Ortszeit landen wir am Flughafen San Jose. Sofort werden wir von diversen Taxifahrern auf Spanisch angequatscht, die uns eine Taxifahrt zu unserem Hotel verkaufen wollen. Englisch scheint hier am Flughafen zumindest niemand zu sprechen. Zu dumm nur, dass sich unsere Spanischkenntnisse auf „Hola“ „Gracias“ und „Hablo espanol un poco“ begrenzen. Das sind die wenigen Überbleibsel aus Flos Spanischkurs während des Studiums. Aus „un poco“ (ein bisschen) ist mittlerweile „muy poco“ (ein ganz kleines bisschen) geworden. Ok, Flo war auch nur zwei Stunden anwesend. Es war die Zeit, als er frisch in Simona verliebt war. Da gab es andere Prioritäten. Simona hat natürlich damals schon böse geguckt, als Flo die Stunden geschwänzt hat. Wäre er mal hingegangen.
Irgendwann findet sich im Gewusel ein Mann unklarer Funktion, der uns in schlechtem Englisch den Unterschied zwischen den orangen und den roten Taxis erklären will. Er spricht von einem orangen Taxi und zeit dabei auf ein rotes Auto. Wir verstehen es jedenfalls nicht. Wir nehmen ein oranges Taxi, dass uns auch zu unserem vorgebuchten „Airport Costa Rica B&B“ bringt.
Dort angekommen begrüßt uns der Besitzer freundlich, der aber ebenfalls nur einige Fetzen Englisch spricht – ungefähr so gut wie wir spanisch. Wir beschließen, uns am nächsten Tag einen Online-Spanischkurs runter zu laden. Jetzt fallen wir aber erst mal totmüde ins Bett. Am nächsten Tag laufen wir zu Fuß durch ein wenig vertrauenserweckendes Viertel zu unserer Autovermietstation und holen unser Mietauto ab. Wir haben uns aufgrund der beginnenden Regenzeit für einen Four-wheel-drive entschieden und hoffen, dass unser chinesisches Modell hält, was es verspricht.
Wir halten noch kurz in einem Supermarkt, um ein paar Snacks, Möhren für mich und eine Auswahl an exotischen Früchten für Simona und Flo einzukaufen und dann geht es auch schon los zu unserer ersten Station in Quepos an der Pazifikküste.
Wir haben den Tree Top Room in einer Lodge etwas außerhalb des Städchens gebucht. Das Zimmer macht dem Namen alle Ehre. Wir müssen unser Gepäck erst mal gefühlt hundert Höhenmeter bergauf bei gefühlt 80% Steigung (45 waren es aber wirklich) rauftragen. Dafür ist die Aussicht in den Regenwald wunderschön. Sogar ein Tucan schaut mal kurz vorbei. Nach dieser Anstrengung müssen Simona und Flo erstmal in den Pool. Struppel und ich chillen lieber im Hängesessel.
Abends essen wir eine Pizza im Restaurant. Das ist die einzige Speise, die es dort gibt, aber sie ist sehr gut. Wir beschließen, den Jetlag dazu zu nutzen, unsere Innere Uhr auf 5:30 aufstehen und 21 Uhr ins Bett gehen einzustellen. Hier geht nämlich die Sonne um 5:15 Uhr auf und um 18 Uhr unter. Da die Regenwahrscheinlichkeit am Nachmittag deutlich steigt, möchten wir möglichst den Vormittag dafür nutzen, etwas zu unternehmen.
Gesagt, getan. Wir fallen um 21 Uhr ziemlich müde ins Bett und wachen am nächsten Morgen gegen 5 Uhr von selbst auf. die Geräusche des Dschungels, die man beim Einschlafen und Aufwachen hört, sind einfach unbeschreiblich. Und auch sehr laut. 🙂 Der Wecker bleibt also unbenutzt.
Mit tropischen Früchten und einem Muffin gestärkt starten wir schon um 6:45 Uhr zum Manuel Antonio Nationalpark, der 10km von unserem Hotel entfernt liegt. Wir haben gehört, dass der Park sehr touristisch sein soll, deshalb möchten wir früh da sein. In der Straße vor dem Eingang des Nationalparks erwartet uns eine costaricanisch-chaotische Version der Reeperbahn. Wenn wir uns nicht bei Google-Maps davon überzeugt hätten, dass hier wirklich der Eingang des Nationalparks ist, würden wir es nicht glauben. Einen offiziellen Parkplatz gibt es nicht. Dafür mindestens ein Dutzend selbsternannte „Parkplatzwächter“, die uns unbedingt auf „ihren“ Parkplatz bringen wollen. Wir landen letztlich in einer wenig vertrauenserweckenden Seitenstraße für 3000 Colones (umgerechnet ca. 4 Euro). Eine bessere Alternative gibt es nicht, daher beschließen wir, etwas Vertrauen in die Menschheit zu haben, dass unser Gepäck im Kofferraum auch nachmittags noch an Ort und Stelle ist. Immerhin ist der „Parkplatzwächter“ tatsächlich mit dem Wechselgeld wieder gekommen und nicht mit dem 5000 Colones – Schein abgehauen.
Der Nationalpark ist wirklich wunderschön. Es gibt tolle Strände, wunderschönen Regenwald und einige Tiere zu bestaunen. Am Strand klaut uns ein Affe die Sonnencreme aus dem Rucksack, als Flo kurz nicht aufpasst. Der Affe will sie auch trotz viel Überredungskunst beim besten Willen nicht mehr hergeben und tollt damit stolz auf den Bäumen über uns herum. Flo ist untröstlich, dass der Affe jetzt mit Plastik und Sonnencreme spielt. Immerhin kriegen die Affen im Manuel Antonio Nationalpark jetzt keinen Sonnenbrand mehr. Dafür Simona und Flo. Als Ausgleich für die Plastikflasche, die wir im Nationalpark hinterlassen haben, sammeln wir den Rest des Tages allen Plastikmüll ein, der uns auf den Wegen oder am Strand begegnet.
Kurz vor Verlassen des Parks sehen wir tatsächlich ein Faultier gar nicht mal so weit oben im Baum. Flo und Simona sind völlig entzückt. Es bewegt sich wirklich seeeeeehr langsam, noch langsamer als Struppel. Süß ist es trotzdem.
Etwas geschafft von der Wanderung durch den Nationalpark, der tropischen Feuchtigkeit und dem Rest-Jetlag machen wir uns am Nachmittag auf den Weg zu unserer Unterkunft bei Uvita an der südlichen Pazifikküste. Dort werden wir drei Nächte bleiben.

3 Gedanken zu “VON ONLINE-SPANISCHKURSEN, ORANGEROTEN TAXIS UND AFFEN OHNE SONNENBRAND

  1. Hallo, ihr Urlauber!
    Wie schön, wieder ein wenig mit euch zu reisen.
    Es ist gut, dass dort endlich mal der Urwald vom Plastikmüll befreit wird. Vielleicht wirkt es ansteckend, und ihr habt Nachahmer, zumindest die Affen.
    Wir wünschen euch noch viele schöne Begegnungen mit Mensch und Tier,
    liebe Grüße
    Günther und Waltraud

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  2. Schon der erste Bericht ist wieder eine große Lesefreude! Du solltest gut auf Deine Möhre aufpassen Finchen, denn Sonnencreme macht die Affen nicht satt. Schöne Urlaubserlebnisse weiterhin! Ulrike

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  3. Tausend Dank nach Costa Rica
    Herrrrrrrrrrrrliche Fotos machen uns alte Gladbacher seeeeeeeeeeehr sehr glücklich !!!!!!!!!!!!!!!

    Euch vieren noch eine wunderschöne Zeit , kleine ( nicht so gefährliche ) Abenteuer , und tausende schöne Augenblicke wünschen wir euch von ganzem Herzen

    Umarmung aus der Ferne Peter und Walli

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