Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg an die Karibikküste. Es ist ein eher grau-regnerischer Tag und eignet sich daher hervorragend für eine längere Fahrt. Es wird mit 5-6 Stunden die längste unserer Reise werden – dachten wir. Während der ersten Stunde säumen endlose Bananenplantagen und Ananasfelder den Weg. Simona dachte bisher immer, Ananas wachsen auf Bäumen. Während der nächsten zweieinhalb Stunden fokussiert sich die Aussicht eher auf den Export der eben genannten Güter. Massenhaft Trucks in amerikanischem Stil verstopfen die endlose Baustelle von etwa 80-100 km. Wir fragen uns, wie man bei 5 Millionen Einwohnern so viele Bauarbeiter findet, um eine 80km lange Baustelle zu betreiben. Aber so langsam geht sie wahrscheinlich auch voran. Am Straßenrand sieht man haufenweise Hochseecontainer und sehr trostlose Häuschen oder Hütten, die den im Vergleich zu uns doch oft recht niedrigen Lebensstandard der Allgemeinbevölkerung hier widerspiegeln. Simona verbringt die Fahrt damit, ihre 32 Ameisenbisse an den Füßen mit BiteAway und Fenistil zu behandeln. Sie hat während der Froschfotoaktion versehentlich in einer Ameisenautobahn gestanden und die Ameisen fanden die kurzfristige Straßensperrung gar nicht witzig. Bisse von Blattschneiderameisen tuen erst tierisch weh und jucken dann entsetzlich. Flo macht sich die gesamte Autofahrt darüber lustig, dass die einzige in unserer Reisegruppe, die einen Doktortitel hat, als einzige bereits mehrfach in einer Ameisenstraße stand. Nach der Hafenstadt Puerto Limon ändert sich das Bild, denn wir haben die Karibikküste jetzt endlich erreicht. Jetzt richtet sich der Blick auf den Atlanik und palmengesäumte Strände. Wir sind einen Tag früher hier als geplant und haben daher eine Einzelnacht in einem Cottage am Playa Cocles bei Puerto Viejo, 500m vom Strand entfernt, gebucht. Das Häuschen ist sehr süß, hat aber auch so einige Nachteile. Es ist seeeeehr offen gestaltet, sodass Mensch und Tier quasi Tag und Nacht plötzlich im Schlafzimmer oder in der Küche stehen können. Mückengitter gibt es leider keine, dafür zwei aggressive Hunde und das Haus liegt etwas dunkel im Wald. Dafür hat man Dschungelfeeling pur. Nach kurzer Überlegung beschließen wir, nach der ersten Nacht noch einmal umzuziehen, da wir weitere vier Nächte hier verbringen wollen. Wir finden eine wunderschöne und ruhig gelegene kleine Anlage mit vier Häuschen und einem Pool in der Mitte ca. 1km entfernt. Der Besitzer der „Alloro Jungle Villas“ ist Italiener und kann nur Italienisch oder spanisch. Kein Englisch. Nach zwei Sätzen verstehen Simona und Flo nur noch spanisch und wir verständigen uns mit Händen und Füßen. Wenn es etwas komplizierter wird, kommt der Google Translator zur Hilfe. Wir laden unser Gepäck an der neuen Unterkunft ab, bevor wir zu unserem heutigen Ausflug starten. Man soll hier möglichst nichts im Auto lassen, da es vor allem in dichter besiedelten Gebieten schonmal vorkommt, dass die Sachen im Auto Beine bekommen, auch wenn das Auto verschlossen wird. Nachdem wir dem armen Italiener sein ganzen Büro vollgestopft haben, starten wir zu unserer Tour im 10km entfernten Gandoca-Manzanillo Nationalpark. Mittlerweile scheint die Sonne und die palmengesäumten Strände sehen aus wie auf einer Postkarte. In den Bäumen tummeln sich Brüllaffen, die wir mit ihrem typischen Affengeschrei zwar schon oft gehört, aber noch nie gesehen haben. Sie machen ein tiefes, vor allem in den Morgenstunden sehr lautes „huhuhuhuhu“, das durch den ganzen Wald hallt. Zusammen mit drölfzig verschiedenen Vögeln, die um die Wette zwitschern und kreischen, kann einen das schonmal wecken, bevor die Sonne richtig aufgegangen ist. Dann denkt man manchmal kurz: Kann jemand vielleicht mal kurz den Dschungel ausschalten?
Wir wandern ein bisschen durch den Park und an den Stränden entlang und gehen am Ende auch im Atlantik baden. Das Wasser hat Badewannentemperatur, wirklich erfrischend ist das nicht. Aber immerhin war jetzt unser Ehering schon in allen drei Ozeanen mit uns schwimmen, haben wir festgestellt. Zu Hause angekommen nehmen wir für die Erfrischung nochmal den Pool. Hier ist das Wetter irgendwie anders. Es war bis 16 Uhr sonnig, danach leicht bewölkt. Um 17 Uhr ist immernoch kein Regen in Sicht. Wir sehen vom Pool aus das erste Mal auf dieser Reise die Sonne untergehen. Für 5 Minuten, dann ist sie auch schon weg und es ist stockdunkel. In der Nähe des Äquators gibt es keine richtige Dämmerung, von senkrechtem Sonnenstand mit hoher Sonnenbrandgefahr bis stockdunkel liegt weniger als eine Stunde. Gegenüber unserer Unterkunft wohnen auch Brüllaffen. Sie beäugen die neuen Nachbarn vom Baum aus, während wir im Pool sind. Neben Brüllaffen gibt es hier noch extrem große Insekten – vor allem Käfer und Grillen – die fünfmal so groß sind wie zu Hause.
Am nächsten Tag ist es bewölkt und regnet morgens auch ein bisschen, sodass wir beschließen, den Tag entspannt angehen zu lassen, gemütlich zu frühstücken (exotischer Obstteller können wir mittlerweile auch selbst :-)) und eine Schokoladentour zu machen. Pünktlich zum Start der Tour um halb zwölf hört es auch netterweise auf, zu regnen und bleibt den Rest des Tages trocken. Wir lernen viel über verschiedene tropische Pflanzen und Früchte und natürlich über die Schokoladenherstellung. Zur Begrüßung bekommen wir jeder eine Banane, die wir direkt von der Staude ernten. Es ist die beste Banane, die wir je gegessen haben. Auch Ananas werden uns in Deutschland wahrscheinlich nicht mehr schmecken, weil sie einfach ein unglaubliches Aroma haben, wenn sie nicht schon 6 Wochen auf den Weltmeeren unterwegs waren. Am Ende machen wir selbst unsere Schokolade und dürfen sie natürlich auch direkt probieren. Sie schmeckt extrem gut. Normalerweise schläft Struppel ja immer, aber wenn es um Schokolade geht, ist er hellwach.
Nach der Tour chillen wir noch ein bisschen am Strand. Hier ist mit standardmäßig laufender Reggae-Musik, einigen Surfern sowie entspannten Strandcafes der Chillmodus quasi schon angeschaltet, bevor man sich richtig am Strand niedergelassen hat. Sämtliche Lieder, die man so kennt, werden ausschließlich nur im Reggae-Mix gespielt. Und das fünfmal hintereinander. Aber man merkt auch nicht wirklich einen Unterschied, wenn es ein anderes Lied ist. Da es heute bewölkt ist, ist die Standortsuche etwas einfacher. Flos Sicherheitscheck, ob wir uns unter einer möglicherweise bald herabfallenden Kokusnuss befinden, entfällt, da wir keine schattenspendende Palme brauchen. Bleibt nur noch der Ameisencheck, der gemütlicher-Sitzplatz-Check und der schöne-Aussicht-Check. Das ist schnell erledigt und so können wir im eingeschalteten Chillmodus den Tag am Strand ausklingen lassen.
Am nächsten Tag wollen wir eigentlich in den Cahuita Nationalpark, doch es schüttet wie aus Eimern. Wir machen es uns also erstmal auf der überdachten Terrasse gemütlich. Flo muss seinen Podcast ganz nah ans Ohr halten, damit er trotz prasseldem Regen überhaupt etwas versteht.
Als der Regen mittags nachlässt und schließlich ganz aufhört, machen wir uns auf den Weg in den 20km entfernten Cahuita Nationalpark. Schon am Eingang werden wir von Brüllaffen begrüßt, die uns von den Bäumen aus mit Früchten bewerfen. Ein Affe hat auch ein Baby dabei. Auf dem Weg durch den Park muss ein Fluss durchwatet werden. Das Wasser geht etwa bis zur Hüfte. Wir fragen uns, ob wir es besorgniserregend finden sollen, dass man kurz vor besagtem Fluss mal wieder ein Schild aufgestellt hat, dass man die Krokodile doch bitte wirklich nicht füttern soll. Wir kommen zum Glück mit vollständigen Armen und Beinen am anderen Ufer an. Auf dem weiteren Weg sehen wir noch einen Waschbär und einige schöne Schmetterlinge, aber leider kein Faultier. Wir fragen den vorbeilaufenden Ranger, ob es hier Faultiere gibt. Er antwortet: In fast jedem Baum eins. Er schaut nach oben in die Bäume und zeigt uns gleich zwei. Und eine Schlange am Boden. Wir sind beeindruckt. Wir haben gefühlt eine Stunde lang während der kleinen Wanderung nach oben gestarrt und kein Faultier gefunden. Jetzt sind wir angefixt. Auf dem Weg zurück findet Super-Animal-Spotter Flo gleich 4 Faultiere, Simona spürt immerhin auch eins auf. Wenn sie schlafen, sieht man nur ein kleines im Baum hängendes Wollknäuel, was sich schlecht gegen die Umgebung abhebt. Tarnung ist eben alles, das haben wir hier schon mehrfach festgestellt. Wir werden zum Top-Faultier-Spotter im Park und zeigen unsere Funde jedem, der noch so vorbeikommt. Alle sind total aufgeregt, weil sie – wie wir vorher – auch noch kein Faultier gefunden haben. Leider macht der Park schon um vier Uhr zu, sodass wir beschließen, am nächsten Tag nochmal wieder zu kommen. Der Ranger prophezeit uns: No rain in the night, no rain the next day. Na ob das mal stimmt.



















