Natürlich hatte der Ranger wieder recht und nach einer regenfreien Nacht lacht die Sonne vom Himmel. Wir sind schon gegen 9 Uhr im Cahuita Nationalpark und starten die wunderschöne Wanderung immer entlang der Küste aber trotzdem im Regenwald, sodass wir alles vereint haben: Blick auf das Meer, schattenspendender Wald und Möglichkeit zur Tiersichtung. Schon hundert Meter vom Parkeingang entfernt hat Simona das erste Faultier gesichtet. Die Übung vom Vortag trägt also Früchte. Wir finden noch einige mehr und auf dem weiteren Weg läuft uns noch ein Nasenbär über den Weg. Als wir nach 3,5km am „Punta Cahuita“ ankommen, sind wir ziemlich geschafft. Bei 30 Grad und 85% Luftfeuchtigkeit fühlen sich 3,5km an wie 20km. Der Küstenzipfel mit Strand, sehr klarem Wasser und Palmen eignet sich daher hervorragend für eine Mittagspause mit Snack und einem kleinen Bad im Meer. Nachdem wir die 3,5km wieder zurück gegangen sind, brauchen wir wieder dringend eine Pause und beschließen daher, in einem Strandcafe einen Sundowner zu trinken und Nachos mit Guacamole zu essen. Auf den Salz- und Flüssigkeitshaushalt sollte man ja immer achten. Neben uns turnt ein Faultier im Baum herum. Die an der Karibikküste vorgerrschenden Zweifingerfaultiere sind im Gegensatz zu den Dreifingerfaultieren (s. erster Blogartikel) vorrangig abends und nachts aktiv. Deshalb sieht man sie meistens nur als Knäuel faul in einer Astgabel hängen. Daher auch der extrem passende Name. Auf englisch heißt das Tier aber ganz langweilig „Sloth“.
Nachdem wir uns „zu Hause“ am Pool von dem anstrengenden Tag erholt haben, beschließen wir, an unserem letzten Tag an der wunderschönen Karibikküste nochmal essen zu gehen. Wir suchen das Restaurant Banana Azul aus, das direkt am Strand liegt. Auf der Fahrt dorthin gibt es eine Unterbrechung im Betriebsablauf, da wird aufgrund eines genau an der Straße tief im Baum hängenden und sehr aktiven Faultiers unbedingt nochmal anhalten müssen. Das ist wirklich ein Premium-Faultier, das es genießt, vor der Kamera zu posen. Wir sind natürlich nicht die einzigen, die es entdeckt haben, und so bildet sich ein kleiner Stau auf der Küstenstraße.
Nach einem extrem leckeren Essen im Restaurant beschließen wir, mit unseren Getränken noch zum Strand zu gehen. Simona hatte dort schon vor dem Essen ein weiteres Faultier im Baum entdeckt. Nachdem wir uns auf den Strandliegen nieder gelassen haben, geht Flo mal gucken, ob es noch da ist. Und tatsächlich – es ist noch da, und aufgrund fortgeschrittener Stunde überaus aktiv. Wir treffen ein anderes sehr nettes deutsches Paar in unserem Alter und zeigen ihm unseren Sloth-Fund. Sie sind auch total begeistert und wir beobachten zusammen, wie das Faultier vom Baum herunterkommt und sein Geschäft erledigt. Klingt jetzt nicht so sensationell, aber wenn man bedenkt, dass Faultiere nur einmal pro Woche von ihrem Baum herunterkommen, um ihr Geschäft an der Wurzel des selben Baumes sozusagen als Dünger zu verrichten, ist das schon bemerkenswert, dass wir live dabei sind. Wir verstehen uns so gut mit dem deutschen Pärchen, dass wir den Rest des Abends zusammen am Strand verbringen und noch das ein oder andere Getränk von der Hotelbar holen. Schade, dass die beiden nicht zufällig aus Aachen kommen.
Am nächsten Tag müssen wir uns mittags leider von der schönen Karibikküste verabschieden. Wir hatten uns bereits im Vorfeld entschieden, ein Teilstück der 300km langen Strecke nach San Jose bereits mittwochs zurück zu fahren, obwohl unser Flieger erst donnerstags um 19:30 Uhr startet. Hier in Costa Rica passiert es häufiger, dass eine Straße z.B. durch einen Erdrutsch oder eine Überflutung gesperrt ist und man spontan einen 150km langen Umweg machen muss, der einen schonmal 5 Stunden kosten kann. Außerdem soll man lange Fahrten im dunklen vermeiden, um nicht mit Tieren oder Fahrradfahrern mitten auf der Autobahn zusammenzustoßen. Die Verkehrsregeln werden in Mittelamerika zudem eher locker ausgelegt, man sich sich so durchmogeln. Im Vergleich zu Indien geht es jedoch sehr gesittet zu, meint Flo. Von der Karibikküste zurück nach San Jose muss man über einen Pass durch das Hochland. Davon gibt es nur zwei. Noch ein Grund, einen Tag früher zu starten. Tatsächlich ist der besser zu befahrende Pass schon seit einigen Tagen wegen Erdrutschen gesperrt, sodass wir den Alternativpass nehmen müssen. Dieser ist sehr eng und kurvig und da natürlich auch alle LKW 40-Fuß-Anhänger diesen Pass nehmen müssen, kommen wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 20km/h voran. Wir brauchen bis zu unserem Tagesziel ins Valle Orosi ca. 6 Stunden. Im Valle Orosi findet ein Großteil des Kaffeeanbaus in Costa Rica statt und wir erfahren bei Flos Kaffeevoratskauf in einem kleinen lokalen Unternehmens einiges über den Kaffeeanbau, die Ernte und Weiterverarbeitung. Und bekommen natürlich noch einen Kaffee zum testen. Also nur Flo und Struppel, Simona und ich mögen ja keinen Kaffee.
Am nächsten Tag müssen wir leider mal so langsam an die Abreise denken und alles flugsicher in unseren Taschen verstauen. Beim Versuch, unsere Sachen vom Karibiksand zu befreien, stürzt Flos Socke in den Abgrund. Wir malen uns schon aus, was die Archäologen in 1000 Jahren zu diesem besonderen Fund sagen werden, der auch nach 1000 Jahren noch nach Käse riecht, aber gar keine relevante Eiweißmenge aufweist. Dann gelingt es uns aber doch, den Socken mit Hilfe eines Stocks zu bergen. Da wir drei von vier Flaschen Mückenschutzmittel verbraucht haben, ist etwas Platz für Kaffee frei geworden. Das Mückenschutzmittel ist ein Grund, sich wieder auf zu Hause zu freuen. Neben DEET hat man nämlich nach einiger Zeit auch die Buchstaben von der Flaschenaufschrift im Gesicht kleben, weil dieses aggressive Chemiezeug gefühlt so ziemlich alles auflöst, das aus Plastik besteht – unter anderem also auch das Flaschenlabel. Natürlich gibt es auch ein paar andere Dinge, auf die wir uns zu Hause wieder freuen. Trockene Handtücher zum Beispiel. Oder das eigene Kopfkissen. Oder Straßen ohne Schlaglöcher. Oder dass ,am Kekse mehr als 10 Minuten draußen liegen lassen kann, ohne dass sie direkt labrig sind. Oder – wie immer nach einer Fernreise – richtiges Brot. Und natürlich auf Familie und Freunde.
Vom Valle Orosi aus sind es noch 60km bis zum Flughafen. Da die Besiedlung jetzt immer dichter wird, brauchen wir auch ohne kurvige Straßen, Erdrutsche oder Schlaglöcher über zwei Stunden. Da wir uns das gedacht haben, sind wir früh genug losgefahren und können uns während der langsamen Fahrt entspannt das bunte Treiben auf den Straßen angucken. Da wird auf der Autobahn herumgelaufen, in der Hoffnung, eine Tüte getrocknete Nüsse oder eine Kokosnuss („Pipa fria“) zu verkaufen. Oder ein Rasenmäher auf dem Fahrrad transportiert. Oder es wird ein Motorrad im Kofferraum einer Kleinwagenlimousine verstaut.
In San Jose angekommen essen wir noch eine Pizza, bringen unseren Mietwagen zurück und werden von der Mietwagenfirma zum Flughafen gebracht. Costa Rica verabschiedet sich mit einem wunderschönen Sonnenuntergang von uns, was für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich ist. Der Mann von der Mietwagenfirma erzählt uns, dass für den nächsten Tag ein schweres Unwetter angesagt ist und häufig der Tag davor sehr sonnig ist. Schon wieder Glück gehabt, am nächsten Tag hätte unser Flieger wahrscheinlich nicht starten können.
Nach einem unspektakulären Flug landen wir am 1. Juni um 16 Uhr wieder wohlbehalten in Frankfurt.
Wir wissen gar nicht, wie wir ohne Dschungelgeräusche noch einschlafen und aufwachen sollen. Flo hat vorgeschlagen, ein Dschungel-mixed-Tape aufzunehmen und es mit nach Hause zu nehmen. Und das haben wir auch gemacht.




















