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Sydney Teil 1 – Satellitengestützte Navigation in Hochhausschluchten

Da ich mich selbst mit dem Thema GPS und dem ganzen neumodischen Kram nicht auskenne, freue ich mich für den heutigen Reisebericht Flo als Gastautor gewinnen zu können. Er schreibt diesen Bericht, während wir vor der Skyline Sydneys sitzen, Pause machen und auf das Sonnenloch für die perfekten Fotos warten.

Ich habe mir in weiser Voraussicht ( und auch dem Drängeln von Papa und Simona) kurz vor dem Abflug eine wunderbare Navigationssoftware auf mein iPhone geladen. In Australien habe ich dann gemerkt, dass die Karten und Sprachdaten noch fehlen, deshalb mussten wir beim Camper Abholen so lange trödeln und zum Schein Sachen von A nach B und wieder zurück räumen, bis wir in ihrem kostenlosen WLAN 350MB heruntergeladen hatten (circa 3 Stunden). Jetzt waren wir mit den Karten des kompletten australischen Kontinents ausgestattet, was kann da noch schiefgehen.

Die Navigationssoftware ist von einer deutschen Firma. Die ganzen Kartendaten hat die deutsche Firma zugekauft. Sie enthalten durchweg englische Straßennamen, mit vielen Abkürzungen. Zum Beispiel Hwy für Highway, St für Street, Dr für Drive, Pde für Parade, usw. Die deutsche Stimme hat im Englischunterricht nicht so gut aufgepasst, vor allem als es um das Thema Aussprache ging. Zu seiner Verteidigung muss man auch sagen, dass ihm keiner gesteckt hat, dass es englische Kartendaten sind. Ein Halterung für unser iPhone mit Navigationssoftware haben wir nicht, es liegt in der Mittelkonsole und sagt uns von dort was wir tun sollen.

Navigationsgeräte mit GPS System sind faszinierende Wunderwerke der Technik. Im All fliegen Satelliten umher, die nichts anderes tun als ihren Standort und eine genaue Uhrzeit zu Erde zu funken. Der Empfängerchip, der in Navigationsgeräten, Mobiltelefonen und immer mehr kleinen und großen Geräten eingebaut ist, macht nichts anderes als die Uhrzeiten von 3 oder 4 Satelliten zu vergleichen. ( Die Betreiber der Satelliten müssen noch weitere Effekte wie die spezielle und allgemeine Relativitätstheorie, Wetter, Atmosphärenzusammensetzungen, usw. beachten, aber das lassen wir jetzt außen vor… ) Betrieben wird das amerikanische GPS System und das russisches Glonass von den jeweiligen Verteidigungsministerien. Für die zivile Nutzung wird das Signal künstlich verfälscht und damit ungenauer gemacht als es eigentlich möglich wäre. Unser ziviler Empfänger weiß also bei guter Sicht zum Himmel ungefährt auf 3-5 Meter genau, wo wir uns auf der Welt befinden. Ziemlich gut! Die Software hat ein Überblick über die Kartendaten und kann dann errechnen auf welcher Straße wir uns logischerweise befinden müssten. Da die Software auch weiß, wo wir wie abbiegen dürfen und wo die Einbahnstraßen sind, kann sie eine Route berechnen und uns dann immer sagen wo es lang geht. Und damit sollten ja bitteschön alle Diskussionen ausgeräumt und erledigt sein. Nie mehr nach dem Weg fragen.

Und so fahren wir mit unserer englischen Kartendaten und deutschem Vorleser durch die Weiten des australischen Kontinents mit seinem Linksverkehr. Mit dem Linksverkehr haben wir keine Probleme. Im Linksverkehr ist das „einfache Abbiegen“ nach links, das „komplizierte Abbiegen, mit Beachten vom Gegenverkehr usw,“ ist das Abbiegen nach Rechts. Vom Rechtsverkehr sind wir das genau anderesherum gewöhnt, für mich ist das einfache Abbiegen immer noch mit dem Wort „Rechts“ verknüpft. Deshalb verwechsle ich ziemlich oft Rechts und Links.

Durch Sydney fließt ein großer Fluss mitten durch die Stadt und teilt sie in 2 Hälften. Die kürzeste Verbindung über diesen Fluß ist die Benutzung der berühmten „Harbour Bridge“ oder des „Harbour Tunnels“, ein Tunnel der gebaut wurde um den Verkehr auf von der Achtspurigen Brücke zu entlasten und auf weitere 8 Spuren zu verteilen. Damit diese beiden wichtigen Verkehrsadern in der Rushhour nicht komplett zusammenbrechen, sind hochmoderne Verkehrsleitsystem installiert, die Spuren zusammenführen, neu Aufteilen, trennen, oben- oder unterrum und von rechts nach links verschieben können. Außerdem werden einige Spuren nur für Busse freigegeben oder für Autos in denen mindestens 3 Personen sitzen, um Fahrgemeinschaften zu fördern. Das alles wird natürlich durch Straßenschilder immer perfekt und übersichtlich ausgeschildert. Für Leute die sich in Sydney auskennen und wissen wo sie hinwollen. Wir können allerdings mit den Stadtteilnamen nichts anfangen unsere Navigationssystem weiß von dem ganzen dynamischem Quatsch nichts. Für das Navigationssystem ist die Sydney Harbour Brigde eine Brücke mit 4 Spuren in die eine, 4 Spuren in die andere Richtung.

Parken in Sydney ist nicht so einfach, vor allem nicht immer ganz günstig. In der Innenstadt kostet ein Parkplatz für einen Tag schnell mal 70 Dollar. In unserer App sind aber auch kostenlose Parkplätze in Stadtnähe, also zumindest mit nur 5km zu laufen verzeichnet. Und so wollten wir am Freitag Morgen also los zu diesem ganz fantastischen Parkplatz, nur eine Gehstunde von der Oper entfernt. Wir hatten Karten für die Vorstellung um 11 Uhr und genug Zeit für den Berufsverkehr eingeplant. Dachten wir. Bis zur Brücke war es überhaupt kein Problem und mit ein bisschen Stau hatten wir auch gerechnet. Als wir nach der Brücke mit samt Navi zwischen den Hochhäuserschluchten eingetaucht sind, wurde es erst richtig lustig. Ich habe einmal links und rechts verwechselt, danach wußte dass Navi nicht mehr wo wir waren, dann ging die eine Brückenspur aufeinmal nicht zu den Eastern Suburbs, sondern in die Northern Suburbs, die Ampel war rot, an der nächsten Kreuzung musste man links abbiegen, wir wollten aber rechts, das Navi plärt die ganze Zeit unzusammenhängende Sachen dazwischen, obwohl es nicht weiß wo wir sind („bitte rechts abbiegen in die Siiidenei Doktor“ – gemeint war der Sydney Dr.- „links abbiegen, geradeaus, den rechten Spuren folgen“). Simona und ich hatten beide noch nichts gegessen, sind trotzdem verhältnismäßig ruhig geblieben, haben eine Straßenkarte, den Sonnenstand und unser Bauchgefühl zu Hilfe genommen, haben die Straße mit den Parkplätzen um 10:00 erreicht (Navi: „Bitte sofort wenden“), hatten Glück und jemand hat nur für uns einen Parkplatz freigemacht, sind zur Oper gehastet und waren pünktlich um 10:55 durchgeschwitzt aber um eine wertvolle Sydney-im-Berufsverkehr-Erfahrung reicher, bereit für klassische Musik.

Außerhalb von Hochhäuserschluchten und dynamischen Spuränderungen ist das Navi unser treuer Begleiter, das sich mit der englischen Sprache auch nach 4 Wochen immer noch schwer tut.

3 Gedanken zu “Sydney Teil 1 – Satellitengestützte Navigation in Hochhausschluchten

  1. Ein spannender Bericht, ganz aufregend in einem lupenreinen Deutsch und alles so schön ausgedrückt. Bin mit Euch schwitzend durch Sudney gefahren und dachte schon, gleich in der falschen Spur zu landen. Uff, alles gut überstanden. Hoffentlich haben Eure Mägen dann nicht im falschen Rhythmus zu Schumann geknurrt. Freue mich auf den nächsten Bericht, viele Grüße aus Münster von Ulrike
    PS: Die vereinsamten Eltern haben am Sonntag mal miteinander sehr nett telefoniert!

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  2. hallo ihr lieben
    so allmählich wollte ich mich auch mal melden, wo ihr mich schon immer mit euren spannenden Abenteuern versorgt. Einiges kam mir auch sehr bekannt vor, da ich auch 2 mal diesen Kontinent besucht habe. Ein Tipp: wir sind damals mit einigen Leuten zusammen über die Harbour Bridge gegangen (natürlich geführt) war ein wunderschöner Ausblick von dort oben aus
    euch noch eine gute Zeit und viele Grüße
    Elli

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  3. mein Gott, bin ich aufgeregt! Meine Finchen, das liest sich ja wie ein Krimmi. Da denke ich, Essen ist ein Molloch von Stadt, nein, ein Dorf! Erwarte Katrin, sie kommt aus Hannover, später wird sie von den Eltern, die im Konzert sind abgeholt. Wenn Ihr wieder zu Haus seid, schreibe ich Euch über unser Familientreffen vom 17.-19. April – eine Ortsänderung, für Euch nicht ganz so weit. Aber was sind für Euch noch Entfernungen ?! Ich freue mich auf den nächsten Bericht.
    Liebe Grüße
    Eure Oma Bääääääääää

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