Nachdem wir in unserem jugendlichen Leichtsinn bei unserem ersten Stopp in Forster gewagt hatten, einen 30-minütigen Walk durch den Regenwald zu einem Aussichtspunkt lediglich mit unserem kinderfreundlichen „Aeroguard“-Mückenspray zu unternehmen, wurden wir von den hinterhältigen Stechmücken mit gefühlten 100 Stichen bestraft. Der Walk dauerte dann statt den angegebenen 30 Minuten nur halb so lange und unsere Fitness wurde trainiert, hat auch sein Gutes. Dies führte dazu, dass wir sofort beim nächsten Supermarkt auf das nicht mehr ganz so kinderfreundliche „Off! Tropical-Strength“-Produkt aufgerüstet haben – bisher mit recht gutem Erfolg, solange man die Fußsohlen nicht vergisst einzusprühen. 🙂
Bei der Weiterfahrt Richtung Norden wollten wir eigentlich nur eine Mittagspause mit Schinken-Käse-Toast an einem ruhigen Strandabschnitt in einem Nationalpark einlegen und dann weiterfahren, aber da es dort so schön war, haben Simona und Flo kurzerhand ihre Bodyboards vom Dach geholt und sich in die Wellen gestürzt. Am Abend haben wir am Shelly Beach bei Port Macquaire übernachtet, wo der Regenwald bis an den Strand heranreicht – wunderschön. Da musste am nächsten Morgen vor dem Frühstück gleich noch ein kleiner Walk unternommen werden – die anschließende Abkühlung im pazifischen Ozean danach nicht zu vergessen (das ist unser neuer Morgensport), um dann das leckere Müsli mit frischem australischem Obst zu genießen (das Matschetoast kam uns langsam zu den Ohren raus^^). Dann haben wir uns auf einen wunderschönen Campingplatz eingemietet, um mal wieder einen Haushalts- und Ruhetag einzulegen – das heißt Sachen waschen (für 2 Dollar haben wir uns jetzt sogar Klammern gegönnt, so müssen wir uns die nicht immer ausleihen (obwohl die netten australischen Renter das immer sehr gerne getan haben), das Chaos im Camper sortieren, Bett entsanden und entkrümeln, Buch lesen, Blog schreiben, Fotos (aus)sortieren und den nächsten Reiseabschnitt planen. Am Nachmittag stand noch das Koala Krankenhaus hier im Ort (das einzige seiner Art auf der ganzen Welt) auf dem Programm. Dort werden Koalas aus ganz Australien behandelt, die aus verschiedenen Gründen verletzt (z.B. vom Baum gefallen, vom Auto angefahren, vom Hund angefallen) oder krank (z.B. Augenentzündung) sind. Derzeit sind sogar 3 Babykoalas dort, die von ihrer Mutter abgestoßen wurden. Man kann gegen eine Spende an einer Führung teilnehmen und/oder auf eigene Faust auf dem Freiluftgelände herumlaufen. Wir haben die Führung mitgemacht (es gab unter anderem einen Koala mit Skoliose (ganz schlimme Rückenverkrümmung), einen Koala mit Glaukom (grüner Star) und nur noch 20% Sehkraft und einen Koala, der vom Auto angefahren wurde und dabei ein Bein verloren hat – beim Rumklettern auf den Bäumen ist er dann leider runtergefallen und hat dabei ein Auge verloren. Im Koalakrankenhaus kümmern sich 3 Festangestellte und 160 Freiwillige um die kranken Tiere. Flo und Simona waren so entzückt, da war ich erstmal abgemeldet. 😦
Weiter Richtung Norden hat sich die Landschaft ziemlich plötzlich verändert und Bananen-, Zuckerrohr und Avocadoplantagen säumten bei nun subtropischem Klima den Weg. Wir haben außer dem fast täglichen Bodyboarden noch einen Ausflug in den Nightcap-Nationalpark im Hinterland gemacht. Dies ist ein sehr kleiner, ruhiger Nationalpark, wo man Schnabeltiere beobachten kann (wenn man ganz viel Glück hat, da die Tiere sehr selten, sehr scheu und nur in Australien zu finden sind). Auf dem Weg dorthin ist Simona schon kräftig ins Schwitzen gekommen. Es war uns schon bekannt, dass die Australier Kreisverkehre – vor allem zweispurige Kreisverkehre – lieben. Aber auf dieser Strecke handelte es sich offensichtlich um die Straße Australiens mit der höchsten Dichte dieser für Rechtsverkehr gewöhnte Deutsche sehr anstrengenden Verkehrshindernisse. Nicht nur dass man bei Linksverkehr andersrum durch den Kreisverkehr fährt, andersrum blinken muss und beim Reinfahren nach Rechts statt nach links gucken muss, man muss bei der sehr beliebten zweispurigen Variante beim Rausfahren auch noch darauf achten, dass man nicht die andere Spur kreuzt und dabei ein benachbartes Auto rammt und dann aber trotzdem auf der richtigen Spur nach draußen landet, die in die gewünschte Richtung führt. Ganz schön anstrengend, vor allem, wenn alle 500m so ein Ding auf einen wartet und die Australier gerade ihre Samstag-Morgen-Einkäufe erledigen. Wir haben es dann doch noch ohne Beulen in den Nationalpark geschafft und sind den „Platypus“-Walk gegangen (Platypus heißt „Schnabeltier“ auf Englisch) – ein relativ kurzer Wanderweg durch Regenwald und vorbei an teichartigen Gewässern, wo sich die scheuen Tiere tummeln sollen. Leider hat das Glück nur für 2 Wasserschildkröten gereicht, aber das war ja auch schon etwas. Und da die meisten Australier (inklusive mir) noch nie eines gesehen haben gerade noch so zu verkraften. Auf dem Rückweg hatte dann Flo das Vergnügen und durfte sich an den Kreisverkehren austoben. Am Abend hatten wir noch eine Einladung zum BBQ auf einem Campingplatz in Lennox Head. Als wir am Abend vorher dort am Strand gekocht haben, wurde Flo von einer Gruppe von 6 Paaren (alle ca. 55-60 Jahre alt) gefragt. ob er von ihnen ein Foto machen könnte. Bei einem netten Gespräch danach stellte sich heraus, dass die Truppe im nahegelegenen Campingplatz das Wochenende zusammen verbringt. 10 Minuten plaudern später hatten wir eine Einladung zum BBQ am nächsten Abend. Es war großartig, ein richtig lustiger und netter Abend in australischer Gesellschaft. Bei so vielen Gesprächen auf Englisch fing Flo im Halbschlaf schon an, auf Englisch mit Simona zu reden 😀
Weiter ging es entlang der Gold Coast nach Norden. Wir hatten uns schon anhand der Beschreibungen im Reiseführer gedacht, dass die Gold Coast, ein ca. 80km langer Küstenstreifen südlich von Brisbane, nicht ganz unseren Geschmack trifft, aber dass es so krass ist, hätten wir nicht gedacht. Zwar gibt es dort 80km lang nur weißen, breiten, schönen Sandstrand, ABER der ist gesäumt von massenweise ca. 80-stöckigen Hochhäusen – eins neben dem anderen – in denen sich Hotels oder Appartmentanlagen für (australische) Urlauber befinden. Faszinierend, das mal gesehen zu haben, aber wir waren uns einig: hier ist nicht unser Platz. Deshalb haben wir uns einmal mit dem Bodyboard in die Fluten gestürzt (surfen kann man nämlich ausgezeichnet, deshalb heißt die Hochburg dieser für uns schwer nachzuvollziehenden Urlaubsweise auch „Surfers Paradise“) und sind dann weiter Richtung Norden gefahren. Wir haben uns entschieden, die Stadt Brisbane nicht anzuschauen, deshalb heißt unser nächstes Ziel: Noosa Nationalpark.
Nur um euch mal was zu erzählen, was nicht neidisch macht ;-): Da das Wildcampen in diesem Bereich der Küste etwas schwierig war, haben wir uns an einem Abend nach dem Abendessen auf einen Truck-Stop-Parkplatz am Highway gestellt. Highway kann in Australien von zweispuriger Schnellstraße mit Fahrradweg auf dem Standstreifen (!) bis zur größeren Straße mit Ampeln durch eine Stadt alles sein. Bei uns handelte es sich um einen Rastplatz an einer zweipurigen Schnellstraße. War gar nicht mal so schön da, aber nur zum schlafen war das schon ok, das Frühstück haben wir wieder mit Meerblick verspeist 😉








Einen wieder mal sehr schöner Bericht von Ozean und Regenwald und Sonnenschein und Tieren. Ihr habt Euren Standort gerade richtig ausgewählt. Ihr verpasst hier gerade gar nichts, es ist kalt und Regen und Schmuddelwetter. Eine sonnige Weiterreise wünscht Euch Ulrike
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Jetzt ist mein Kommentar weg, habe in der Eile etwas falsch gemacht. Also nochmal:
Brisbane ist schon ganz schön weit weg von dem Beginn Eurer Reise. Hoffentlich überraschen Euch keine bösen Tiere mehr. Auf Eurm Frühstückstisch habe ich ein Kaffeekanne gesehen, macht alles einen gemütlichen Eindruck! Es istso schön, eine andere Welt zu sehen und so lebhaft beschrieben zu bekommen-danke Euch.
An die Finchen ganz liebe Grüße von
Eurer Oma Bäääää
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Nachdem ich heute Morgen mit Neuschnee gekämpft habe, taue ich beim Anblick der sonnigen Bilder mit dem immer wieder interessanten Bericht richtig auf.
Da habt ihr recht, dass ihr euch mit den Wolkenkratzern nicht länger aufhaltet. Daher viele schöne Eindrücke im Noosa Nationalpark wünscht euch Gete/Anne
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Hallo ihr drei! Superschön euer Bericht, danke dafür. Was habt ihr alles schon erlebt, da gehören eigentlich auch die Mücken dazu. Bin aber auch froh, dass ihr euch bestimmt auf etwas zu Hause freut, nicht auf das Wetter, aber auf unser Brot! Genießt weiter das Bad im warmen Meer und die netten Australier. Liebe Grüße, Papa und Mama, Günther und Waltraud
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