Fraser Island – Teil 1

Man nehme: Einen 4-Wheel-Drive-Camper, 2 Camping-Permits und ein Hin-und-Rückfahrticket für die Fähre von Rainbow Beach nach Fraser Island – macht zusammen ein riesiges Abenteuer! Ganz so einfach, wie es klingt, war das dann doch nicht.


Schon vor der Ankunft in Noosa hatten wir mit dem Gedanken gespielt, nach Fraser Island – der größten Sandinsel der Welt – zu fahren. Die Entscheidung fiel jedoch schwer, da das Ganze ein ziemlich teurer Spaß ist, da man nur mit einem allradangetriebenen Fahrzeug mit ordentlich Bodenfreiheit auf die Insel fahren darf. Also haben wir beschlossen, uns erstmal in Noosa über die verschiedenen Angebote zu informieren. Nachdem wir in einer Reiseagentur für Backpacker von dem überfreundlichen Mitarbeiter unter dröhnend lauter Musik und in Anwesenheit zahlreicher 18-Jähriger Reisender, die wie wild auf ihren Handys und Laptops rumtippten (es gab dort kostenloses WLAN) mit den zahlreichen und unfassbar „spaßigen“ Gruppentouren bombardiert wurden, war uns schnell klar: es kommt nur eine Selbstfahrtour mit selbst gemietetem 4-Wheel-Drive in Frage. Blöd nur, dass die Dinger so teuer sind, was auch daran liegt, dass man auf losem Sand fahren muss, nicht jedermanns Sache und wenn man stecken bleibt und die Flut kommt….gar nicht mal so angenehm. Also hatten wir die Idee, mal vor Ort in Rainbow Beach, an der Ablegestelle der Fähre, nach einer günstigen 4-Wheel-Drive Vermietung zu suchen. Das war auch eine gute Idee, denn dort waren die Preise schon nur noch halb so teuer, als für die Tourihorden in Noosa. Und siehe da, eine nette Kioskbesitzerin konnte uns helfen. Eigentlich sind wir nur durch Zufall bei ihr gelandet, da wir das Schild über dem Eingang missinterpretiert hatten und dachten, beim Kiosk handele es sich um eine Autovermietung. Sie hat schnell verstanden, welche Tour wir uns vorstellen und einen 4-Wheel-Drive-Camper-Vermieter Ron im Ort angerufen, der dann 15 min später mit dem besagten Objekt vor der Tür stand, um es uns vorzuführen – inklusive Trainigs-/Testfahrt zusammen mit Flo. Ron hat uns dann auch noch einen ziemlich guten Preis gemacht und zack war der Camper für das Wochende (Samstag/Sonntag mit einer Übernachtung) gemietet.


Am nächsten Tag haben wir uns dann noch im Nationalparkbüro um die Camping-Permits gekümmert und bei der netten Kiosk-Dame vom Vortag ein Ticket für die Fähre gekauft. Bei der Gelegenheit haben wir ihr für Ihre Mühe vom Vortag auch eine Tafel Lindt-Schokolade mitgebracht (sogar hier in Australien gibt es Lindt-Produkte, die in Aachen produziert wurden, und so suchen wir immer das ganze Regal nach dem richtigen Herstellungsort ab, wenn wir ein Mitbringsel brauchen ;-)). Sie war es übrigens auch, die sich nach der Fraser-Island-Aktion noch um einen Platz beim Nationalparkcamping gekümmert hat (siehe letzter Blogbeitrag).

Am Samstag hatten wir uns den Wecker ganz früh gestellt. Um 9 Uhr wollten wir mit dem Camper bei Ron losfahren (früher hätte wegen Flut und Ebbe keinen Sinn gemacht) und vorher musste Flo auch noch in Ruhe seine Geburtstagskuchenkerze auspusten. Zufällig ist auch ein Koala aus dem Baum direkt neben den Kuchen und das Bier gefallen. Ich habe ihn Struppel genannt. Er ist ganz nett, sieht putzig aus und reist jetzt mit uns. Er spricht aber nur Englisch und mag keine Möhren.


Bei Ron haben wir die wichtigsten Sachen umgeladen (Badesachen, Zahnbürste, Ersatzunterhose) und haben Sweetie für 2 Tage stehengelassen. Roughi hatte es vor allem Flo direkt angetan. Ein alter Toyota Landcruiser, unglaublich geländegängig und zuverlässig. Außerdem haben wir noch eine Karte, eine Reiseplan mit Berücksichtigung von Flut und Ebbe und den wichtigsten Tipp gegen Steckenbleiben im Sand bekommen: „soft sand, just change to first gear, pick a track and keep on going. Do not stop!“ Ron hatte den Reifendruck vorher noch verringert, damit man im Sand besser fahren kann und den Kühlschrank mit frischen Wasserflaschen beladen. So gut versorgt geht es zur Fähre ins Abenteuer. Auf der Fähre werden wir wieder von einem Australier freundlichen und hilfsbereit angesprochen und über die aktuellen Bedingungen auf Fraser Island informiert. Außerdem hat er uns noch ganz stolz seinen absolutes Fraser-Island-Highland verraten.


Die Hauptstraße (und einzigste Nord-Süd-Verbindung) auf Fraser Island ist der der 75km lange Strand. Die Fahrtbedingungen schwanken extrem zwischen Ebbe und Flut (bei Flut bleibt vom Strand nichts übrig, bei Ebbe ist der Strand breit und der Sand fest), die Geschwindigkgeit ist auf 80 km/h begrenzt. Immer wieder müssen Creeks, kleine Bäche überquert werden, ab und zu liegen auch Steine am Strand und man muss eine mehr oder weniger gut ausgebaute Umfahrung nehmen. Im Inland der Insel gibt es auch Tracks, die bestehen durchweg aus super weichem und tiefem Sand. Dort ist die Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen auf 50 km/h beschränkt. Es wird empfohlen Luft aus den Reifen zu lassen, damit sich eine breitere Auflagefläche bildet und man im Sand nicht so leicht und tief einsinkt. Da das Auto dadurch kippeliger wird, sind wir immer deutlich langsamer gefahren als erlaubt. Wir machen einen kurzen Zwischenstop in Euronga, dem größten Ort der Insel. Es sind circa 15 große Appartmenthäuser, ein total überteuerter Kiosk und eine Tankstelle, alle zusammen eingezäunt um Schutz vor Dingo zu bieten. Dingos sind wilde Vorfahren von unseren Hunden, die es so nur noch auf Fraser Island gibt. Leider haben in den letzen Jahren Touris die Dingos angefüttert und ihnen damit ihre Scheu vor den Menschen genommen. Daher kommen diese wilden Tiere den Menschen, vor allem kleinen Kindern manchmal zu nahe. Außerdem ist Euronga voll von Touribussen (natürlich auch in schwer geländegängiger Ausführung) und sogenannten Tag-Along-Touren, Jeepgruppen bestehend aus 24 Teilnehmern aufgeteilt auf 4 Jeeps. Der Guide fährt das erste Auto, die anderen drei Autos fahren hinterher. Jeder der will darf selbst auch mal fahren, übernachtet wird in vorbereiteten Zeltlagern. Diese Touren sind vor allem bei Backpackern zwischen 18 und 30 Jahren sehr beliebt. Gut dass wir allein unterwegs sind, ZIele und Tempo selbst bestimmen dürfen.

Schnell wieder weg. Kaum sind wir aus Euronga raus, gehört der Strand uns für die nächsten 5 Kilometer ganz mutterseelenallein. Bis eine aufgeregte Asiatin in den Dünen nach uns winkt. Ihr Auto ist einem Inlandtrack 30 Meter vorm Strand steckengeblieben und versperrt 10 weiteren Jeeps die Ausfahrt. Die würden gern, können allerdings nicht helfen, weil das steckengebliebende Auto nur Richtung Strand gezogen werden kann, sie aber dahinter stehen und schieben nicht funktioniert. Wenn man auf Fraser Island steckenbleibt wird von jedem geholfen der kann. Bei uns mangelt es von der fahrerischen Seite einwenig am Können, deswegen gibt Flo das Steuer schnell an zwei Australier (nennen wir sie Chris und Jeff) ab. Wie viele Australier sind Jeff und Chris total offroad begeistert und stehen deswegen jetzt mit ihren Jeeps in der langen Schlange im Stau. Chris weiß wie freischleppen geht, Flo und die anderen schieben und buddeln. Der steckengebliebene Jeep springt nicht mehr an und wird deshalb mit blockierten Reifen von unserem Auto (wir nennen ihn von nun an Roughi – von rough=hart) an den Strand geschleift. Dabei achtet Chris darauf, dass unser Auto sich gerade nicht bis zur Dachkante im losen Sand eingräbt. Nachher gibt es viel anerkennendes freundliches Gehupe. Flo bittet Chris darum unser Auto nicht rückwärts im Sand stecken zu lassen und doch bitte wieder an den Strand mit seinem festem Sand zu fahren. Darauf steigt Chris aus und sagt: „If you do not trust yourself, trust the car. It will do“ und übergibt das Steuer mit einem breitem Lachen zurück an Flo. Der macht das aber auch ganz gut und behutsam und schaukelt das Auto langsam zurück in festen Sand.

Da am Samstag die Gezeiten günstig sind, wollen wir die Zeit nutzen und einmal die kompletten 75km Strand zu den „Champagne Pools“ und dem „Indien Head“ hoch- und wieder zur Hälfte herunterfahren. Keine 2 Kilometer nach der steckengebliebenen Asiatin winkt die nächste Herausforderung. Steine am Strand mit einer abenteuerlichen Umfahrung. Auf den Bildern kann man sich nur schlecht vorstellen, wie schief und steil es sich im Auto angefühlt hat. Aber auch das hat Roughi ohne mit der Wimper zu zucken gemeistert. Ich glaube ihm war dabei sogar noch langweilig. Außerdem werden wir noch von einem Polizisten angehalten, der sich für unseren Camper interessiert. Wo man ihn denn mieten kann? Außerdem schaut er nach, dass wir keine schweren Sachen oben eingeladen haben, gibt uns Tipps und wünscht uns eine gute und sicherer Weiterfahrt. Flo ist so souverän, dass er seinen Führerschein nicht zeigen muss. Zum Glück, er hatte ihn vergessen.

An den Champagne Pools gehen wir zu Erfrischung baden, am Indien Head genießen wir die tolle Aussicht. Danach sind wir den halben Strand wieder heruntergefahren uns haben uns einen Schlafplatz direkt an der Kante der Dünen gesucht. Zum wundervollem Ausklang des Tages gibt es Spaghetti mit rotem Pesto und einen leckeren Wein, den wir von einem Australier zwischen Melbourne und Sydney geschenkt bekommen hatten. Allein die Rinderbremsen stören uns, doch zum Glück haben wir unser Antimückenmittel nicht vergessen und mit der Dämmerung gehen die Bremsen wohl auch langsam schlafen. Bis auf ein weiteres Zelt sind wir für Kilometer mutterseelenallein. Die anderen kommen nachdem Schwimmen im Mondschein noch kurz bei uns vorbei, grüßen nett und versichern, dass das der beste Campingplatz der Welt sei. Sie hätten schon viel gesehen und würden sich auf keine Diskussion einlassen. Außerdem ist ihnen wichtig, dass Flo Simona nachts nicht allein pinkeln gehen lässt(wegen der Dingos) Und wenn wir noch irgendwie Hilfe brauchen, sollen wir einfach Bescheid sagen.

Dann fallen wir um 9 Uhr totmüde ins Bett.


ps: hier gibt es zum Anschauen auch unsere grobe Reiseroute: https://www.google.com/maps/d/edit?mid=zfjYd2rm7Pyo.kXRKi9j0cg8o

4 Gedanken zu “Fraser Island – Teil 1

  1. Umwerfend! Ich bin ganz platt, da gibt es kaum noch eine Steigerung. Beste Grüße von der Ulrike-Mama aus Heisingen, die gerade mit der Waltraud-Mama aus Neuwied telefoniert hat.

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  2. da werden Erinnerungen wach – ich muss allerdings sagen, das ich Fraser Island vor mehr als 10 Jahren besucht habe und da hatten wir die Insel fast für uns allein. Aber die Insel denke ich ist ein Muss! liebe Grüße und gute Weiterfahrt

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  3. Ja, was sollen wir da zu euren Abenteuern noch sagen, wirklich umwefend, das werdet ihr nie in eurem Leben vergessen. Wahrscheinlich senkt diese Erfahrung so åhnlich wie ein Sicherheitstraining beim ADAC deinen Versicherungsbeitrag, Florian. Wir sind gespannt, wie es bei euch weitergeht, am anderen Ende der Welt.
    Liebe Grüße von den beiden noch daheim gebliebenen Eltern..

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  4. nanu?! ich hatte doch gerade geschrieben, aber wohl zu einem Bild, jedenfalls kam die Rückantwort, dass mein Kommentar angenommen wurde. Also nochmal, Euer Bericht ist umwerfend spannend, freue mich auf die Fortführung!
    liebe Grüße, Oma Bäääää

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