Allgäu unter Palmen

Der erste Nationalpark, den wir uns vorgenommen hatten, liegt etwas im Inland in „den Bergen“ (wenn man davon sprechen kann, denn der höchste Berg Australiens ist gerade mal 2300m hoch und diese hier waren um einiges niedriger) und ist das größte zusammenhängende Stück Regenwald Australiens. Noch dazu verirrt sich kaum jemand dorthin und so ist der Park wunderschön ruhig. Schon der Weg dahin war wunderschön und führte zunächst durch das Pioneer Valley, vorbei an Zuckerrohrfelder soweit das Auge reicht. Weiter oben wechselten sich dann saftig grüne Wiesen mit Kühen drauf und dunkelgrüner Regenwald mit Palmen ab. Da auch das Klima dort oben mit ca. 23 Grad angenehm kühl war, fühlten wir uns gleich wie im Allgäu. Nur eben die Palmen passten nicht ganz dazu. Mittags haben wir erstmal eine etwas abenteuerliche kleine Wanderung durch den Regenwald unternommen. Es wimmelte nur so von Blutegeln und anderen Insekten im Riesenformat. Wegen der Blutegel hatten wir Salz dabei, davon sollten sie sich dann angeblich selbst wieder lösen, wenn man es drüber streut. Flo und Simona haben immer schon mit Salz rumgestreut, wenn die Viecher nur das Bein hochgekrabelt sind, hat aber auch funktioniert. Abends sind wir dann zum nahegelegenen Fluss gefahren (man könnte es auch Tümpel nennen) und haben unser Glück noch einmal versucht, ein Schnabeltier zu sehen. Und siehe da, nach kurzer Zeit tauchten zwei Schnabeltiere auf und tauchten im Fluss herum. Wir hatten uns mittlerweile schon etwas informiert und wussten, dass sich Schnabeltiere nur in der Dämmerung und im Morgengrauen an der Wasseroberfläche rumtummeln, also war es vielleicht nicht nur Glück. Wie auch immer – Struppel und ich fanden die Dinger total langweilig und auch Flo und Simona waren sich einig: toll, mal eins gesehen zu haben (vor allem weil es so selten ist), aber Kängurus und Koalas sind eindeutig süßer und spannender. Puh, hatten wir nochmal Glück gehabt. Simona findet ja Kängurus süßer, Flo Koalas. So haben wir jeder einen zum Kuscheln.


Am nächsten Tag haben wir noch eine kleine, aber auch wieder abenteuerliche Wanderung zur Finch Hatton Gorge gemacht. Es musste ein gefühlt ziemlich reißender Fluss auf ziemlich weit auseinanderliegenden Steinen überquert werden – für Struppel und mich kein Problem, aber für Flo und Simona…Dort angekommen konnten wir in einem riesigen erfrischenden Wasserloch mit Wasserfall ausgiebig baden. Auf dem Rückweg wurden wir von der Polizei angehalten, die in diesem Gebiet eine Alkoholkontrolle durchführten. Stichprobenweise mussten die Fahrer pusten. Bei uns war es eine Fahrerin, denn Simona saß gerade am Steuer. Da hatte sich der Polizist ja genau die Richtige ausgesucht. 🙂


Danach sind wir weiter gefahren zum Cape Hillsborough Nationalpark an der Küste (Danke für den tollen Tipp, Marco ;-)). Dort haben wir eine wunderschöne Wanderung mit tollen Aussichtspunkten gemacht. Wir haben die Wanderung so geplant, dass wir bei Ebbe unterwegs waren und so auf die benachbarte kleine Insel laufen konnten. Dabei ist uns mal wieder eine Schlange begegnet. Brrr. Nach dieser Anstrengung haben wir im einzigen nicht-Nationalpark-Campingplatz dort eingecheckt und sind erstmal in den Pool gesprungen, Meer war leider jetzt wirklich tabu. Auf dem Campingplatz gab es auch zwei Hauskängurus, die den ganzen Nachmittag über neben uns im Schatten gelegen haben. Mit den beiden haben Flo und Simona ein bisschen Blödsinn gemacht. Und tausende großer blaue Schmetterlinge sind durch die Luft geflogen. Diese Schmetterlinge und auch andere Insekten begegnen uns leider auch seit einiger Zeit im Straßenverkehr. Da die Viecher aber leider nicht nach links und rechts gucken, bevor sie über die Straße gehn (in Australien müsste es eher heißen „nach rechts und links“, da man beim über-die-Straße-gehen erst nach rechts gucken muss), haben wir ständig jede Menge Schmetterling- und Insektenmatsche auf der Windschutzscheibe oder auch schonmal 5 tote Schmetterlinge in Reihe unter den Scheibenwischern. Das Zeug lässt sich mit Wasser extrem schwer wegbekommen und so müssen wir immer an der Tankstelle halten und wischen. Bis dass 5 Minuten, nachdem wir aus der Ausfahrt der Tankstelle abgebogen sind, der nächste selbstmörderische Schmetterling genau auf das Sichtfeld des Fahrers zusteuert zusteuert.


Abends haben wir auf dem Campingplatz noch 2 nette Paare in unserem Alter kennengelernt, sodass wir alle zusammen gegessen und noch ein bisschen Wein getrunken und gequatscht haben. Eines der Paare hatte am Strand eine Riesenkrabbe (orange und Pizzatellergroß mit 4 Zangen) von einem fischenden Australier geschenkt bekommen, die dann gekocht und an alle zum Probieren verteilt wurde. Das Problem war nur, das Ding aufzubekommen, und so musste kurzerhand eine echte Zange zur Hilfe kommen. Am nächsten Morgen sind wir alle ganz früh bei Sonnenaufgang aufgestanden, um die Kängurus und Wallabies zu sehen, die jeden Morgen an den Strand des Campingplatzes kommen. Wir hatten den bösen Verdacht, dass die Kängurus angefüttert werden, da das ganze Design des Campingplatzes auf den Kängurus basierte. Und wenn wir uns nicht getäuscht haben, lagen da morgens ein paar Getreidezweige am Strand….nichts desto trotz war es wunderschön, den Sonnenaufgang am Strand zusammen mit einer Horde Kängurus und Wallabies zu erleben. Bei Tageslicht entdeckten Flo und Simona plötzlich rote Punkte am ganzen Körper. Ziemlich unheimlich, das wird doch wohl kein Dengue-Fieber sein? Hmm…die mit Kleidung bedeckten Körperstellen waren ausgespart, also vielleicht doch kein Dengue. Puuuh. Die Frau an der Rezeption bestätigte dann unseren Verdacht, dass es die Stiche von den winzigen Sandflies sind, die es umso mehr gibt, je weiter man Richtung Tropen kommt. Das kann ja heiter werden, die Stiche jucken nämlich erst nach einigen Tagen und Flo und Simona sehen aus wie ein Streuselkuchen….


4 Gedanken zu “Allgäu unter Palmen

  1. Ich sehe es schon kommen, Simona versucht vor dem Rückflug ein Kängeru in den Koffer zu
    packen. Aber ihr habt ja bald eine große Wohnung 😉 Die sind ja schon fast zahm.
    Das Regenwaldbild – ein Traum!
    Da würde ich mich jetzt hinwünschen, aber ohne Blutegel.
    Herzliche Sonnenuntergangsgrüße aus Nerdasch

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  2. Hallo ihr alle zusammen im Allgäu! Gut, dass nun alle Stürme hinter euch liegen, ist doch spannend, wenn man nicht weiß, ob man mit Mini-Gepäck evakuiert werden muss! Es war jedenfalls schön, mit euch zu telefonieren. Und mittlerweile wisst ihr ja, dass Essig bei allen Stichen hilft,lockt vielleicht auch Kängurus an.
    Genießt die verbleibende Zeit und seid ganz lieb aus der Heimat gegrüßt,

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  3. Herzliche Grüße aus Gladbach ………vom anderen Ende der Welt ……….
    die Fotos sind wieder einmal wunderbar !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    So ein Schmetterlingserlebnis möchte ich auch mal haben !
    Sicherlich kann man sogar den Flügelschlag hören , oder !?

    Ich stelle es mir berauschend vor !!!

    Nun nähert sich der Urlaub schon dem Ende …….
    zwei ganz bestimmte Menschen hier in Gladbach freuen sich darauf …….

    ihr weniger , nicht wahr !?

    Wenn es keine Schlangen , Frösche oder Blutegel gäbe ,
    würde mich Australien an das PARADIES erinnern !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Ich freue mich auf die weiteren Berichte …………. sehr !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Mit den herzlichsten Grüßen ,
    und den besten Wünschen für eine weiterhin superschöne Zeit ,
    herzlichst Walli

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  4. da lasse ich glatt mein Mittagessen kalt werden! Ein Bild ist schöner als das andere, spannend für mich ist das Schnabeltier, habe noch keins gesehen. Euer Salzverbrauch muss enorm sein. Regenwald und doch so freie bergige Flächen, ja die Palmensehen da etwas fremd aus. Noch wunderschöne Tage wünscht Euch Oma Bääää

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