Auf Cyclons Schneide

Weiter ging es Richtung Townsville zum „Tor der Tropen“. Auf dem Weg dorthin sah es aber noch gar nicht tropisch aus, da kam eher echtes Outback-Feeling auf bei kargem Gras mit ein paar Bäumchen alle paar hunderten Meter. Da wir hier schon einige Backpacker getroffen haben, die im „K-Mart“ (gibt es nur in den großen Städten) superbilliges Campingequipment gekauft haben, sind wir in Townsville auch mal dorthin losgezogen. Der Plan war nämlich, unsere super überteuerten Motelzimmer im Red Center (also Uluru und so, wo wir im April noch hinfliegen) in einen einfachen Campingplatz umzubuchen, sofern wir ein billiges Zelt und 2 billige Isomatten finden, wo unsere Rücken es eine Woche drauf aushalten. Schlafsäcke haben wir ja sowieso dabei und 2 Teller, Topf und Besteck mussten wir eh noch kaufen, weil bei den Motelzimmern keine Küche und auch keine Verpflegung dabei sind. Und siehe da: Der K-Mart ist ein Paradies aus China-Zeug, was unfassbar billig ist. Aber eine Woche wird es wohl halten. So haben wir für umgerechnet ca. 65 Euro ein 3-Personen-Zelt mit Mückennetz, 2 Isomatten, Teller, Besteck, Becher und einen Topf erstanden und anschließend umgebucht. Leider hatten wir vergessen, das Licht am Camper auszumachen, bevor wir in den Laden gegangen sind. Und es ist tatsächlich so – davon geht die Batterie leer und das Auto startet nicht mehr. Aber halb so schlimm, bei Simonas und Flos Glück war direkt neben dem K-Mart eine Autowerkstatt und so kam der freundliche australische Mechaniker mit einer externen Batterie und 2 Starterkabeln, nachdem wir ihm unser Problem erklärt hatten. Also alles wieder in Butter.

Am nächsten Tag sind wir auf dem Weg nach Norden noch in den Paluma Range Nationalpark gefahren. Dort gibt es wunderschöne Wasserlöcher, wo man mit Wasserschildkröten und Fischen baden kann. Und die Sliding Rocks, die so glitschig sind, dass man wie auf einer Rutsche ins Wasserloch hineinrutschen kann. Das war ein Spaß. Zu unserer Verwunderung waren wir dort fast allein. Auf dem Rückweg haben wir am Straßenrand ein Schild „Tropical Fruit for sale“ entdeckt. Eine Frau hatte mit ihren Enkeln einen kleinen Stand aufgebaut, wo man sich Früchte aus ihrem Garten nehmen und dann das Geld dafür in eine Box tun konnte. Zum Glück war sie gerade zufällig da und konnte uns sagen, wie man die einzelnen Früchte isst und wie sie heißen. Wir haben von jeder eine genommen und sie waren alle köstlich. Eine Frucht erinnerte von Aussehen und Konsistenz her einer Mischung aus Känguruhoden und Mäusegehirn. Aber lecker war sie trotzdem. 🙂 An einer Bananenplantage haben wir auch noch gehalten und uns ein paar frische Bananen für unser Müsli gekauft. Für die nächste Nacht sind wir weiter nach Mission Beach gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir einen Helmkasuar gesehen, ein straußähnlicher Vogel mit riesigen Füßen und noch riesigeren Krallen, der ziemlich aggressiv und gefährlich werden kann und dann mit den Krallen alles zerkratzt. Da sind wir mal lieber im Auto sitzen geblieben^^.


Da Cyclon Nathan sich jetzt doch überlegt hat, die nördliche Ostküste zu treffen, wurden wir an diesem Punkt ein bisschen ausgebremst. Jetzt wissen wir auch mal, wie die Australier sich fühlen. Wir haben ständig Nachrichten gehört und das Cyclonradar im Internet verfolgt, denn bis kurz vorher weiß niemand genau, wo der Cyclon an die Küste trifft. Und da man da auf gar keinen Fall mitten drin sein will, haben wir beschlossen, erst mal in Mission Beach zu bleiben, da das Zentrum des Cyclons 300km nördlich angekündigt war, weit weg genug von uns, um uns ernsthaft in Gefahr zu bringen. Ein Zyklon funktioniert so: Der Sturm sammelt über dem Meer an Energie, kommt immer näher und schlägt dann irgendwo an der Küste ein. Dabei entlädt er seine Energie in Form von sehr starkem Sturm und Regen mit Überflutungen. Im „Auge“ des Cyclons sind die Auswirkungen am größten, aber auch hunderte Kilometer entfernt sind meist Sturm und Regen noch spürbar. Cyclon Nathan war als Kategorie 4 von 5 angekündigt (d.h. Sturm um 260 km/h). Er sollte am 20. März zwischen 4 und 6 Uhr morgens in der Nähe von Cooktown an die Küste treffen. Es war spannend und unheimlich zugleich, als wir am Donnerstag Abend den ganzen Abend über die Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen verfolgt haben. Die Leute kleben in den gefährdeten Bezirken ihre Fensterscheiben fest und sichern ihre Dächer, damit nichts wegfliegt. Sie wissen schon vorher, dass sie wahrscheinlich länger ohne Strom sein werden. Im Radio wird ständig durchgesagt, wo es Zufluchtsunterkünfte gibt und was man dahin mitbringen darf (nur das nötigste). Den Tag über hatte es bei uns schon mehrmals starke Platzregen gegeben (wir dachten, die seien stark, sie waren etwa so wie einer der schlimmsten Sommergewitterschauer in Deutschland). In der Nacht ging es dann aber richtig los. Wir hatten unseren Van zum schlafen etwas außerhalb des Dorfes abgestellt und sind um halb eins von einem Riesenkrach wachgeworden. Der Riesenkrach war der Regen – ungefähr 10mal so stark wie der schlimmste Sommergewitterschauer in Deutschland – und der dauerte STUNDEN. Dazu noch einige Sturmböen. Aber das Schlimmste an der ganzen Sache war eigentlich, dass wir die Fester zumachen mussten. Bei 27 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit. Zum Glück hat der Regen nach 2 Stunden wieder aufgehört.


Am nächsten Morgen war – oh Wunder – blauer Himmel und Sonnenschein (eigentlich waren 2 weitere Tage Regen angekündigt). Da haben wir uns natürlich gefreut, auch wenn 33 Grad und über 90% Luftfeuchtigkeit echt kein so angenehmes Klima sind. Also haben wir beschlossen, uns einen Campingplatz mit Pool zu gönnen und gleichzeitig ein bisschen nach Norden zu fahren. schließlich sind wir in Kurrimine Beach gelandet, einem wunderschönen kleinen verschlafenen Nest. Der Campingplatz hat kostenloses Krokodilreiten angeboten, das haben Simona und Flo dann gleich mal ausprobiert 😉


3 Gedanken zu “Auf Cyclons Schneide

  1. liebe finchen, am Ende habe ich gelacht über Krokodil und Reiter, aber so mittendrin mit Warten auf Cyclon, na ja, ich rechnete mit Eurer Vernunft, doch ein bisschen weiter weg zu wohnen. Aber irgendwie gehört es auch zu Eurer Extrem- Reise. Der Helmkasur sieht ja wirklich gefährlich aus!
    Die Früchte frisch von der Ernte und die Bananen direkt vom Baum doch sicherlich unvergleichlich mit den Früchten die man nach Wochen im Lager reifen lässt und ewig transportiert. ein spannender bericht und schöne Bilder, danke und weiter.
    Ganz liebe Grüße, Eure Oma Bääää

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  2. Bericht schon dreimal gelesen und eure tollen Fotos geguckt und glatt vergessen, euch eine Nachricht zu hinterlassen. Schade,dass ihr nicht einen Sack voll dieser wunderbaren Früchte mitbringen könnt.
    Wir sind sehr gespannt, wie es bei euch weitergeht.
    Seid feste gedrückt von den beiden daheim am Rhein

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