Das Outback – Teil 1

Nachdem wir uns schweren Herzens von unserem Sweatie getrennt haben, steigen wir in Cairns in den Flieger nach Alice Springs. In den ersten 10 Flugminuten kann man sich nochmal das Great Barrier Reef von oben anschauen, die restlichen 2 Flugstunden ändert sich das Panorama nicht wesentlich: Wüste, Wüste, Wüste. Von oben kann man gut die zahlreichen ausgetrockneten Flusstäler sehen. Als wir in Alice Springs aus dem Flieger steigen, staunen wir nicht schlecht: Es ist kühler als in Cairns, obwohl wir uns mitten in der Wüste befinden. Zumindest fühlt es sich so an, da wir uns nun bei ca. 15% statt 75% Luftfeuchtigkeit bewegen. Am Flughafen holen wir unseren neuen Sweetie ab, den wir aber gar nicht so sweet finden, da es sich um einen ganz neuen SUV handelt (er hat nur 300km drauf) und gar nicht rappelt und knattert. Dafür hat er aber Allradantrieb und den werden wir noch brauchen. Vom Flughafen fahren wir sofort zu dem Museum der Royal Flying doctors. Dabei handelt es sich um Ärzte, die die Menschen in den weit abgelegenen Regionen Australiens per Flugzeug medizinisch versorgen. Von da aus geht es zur School of the Air. Die Lehrer dieser Schule unterrichten die Kinder, die in den weit abgelegenen Regionen Australiens leben und keine Chance haben, eine „richtige“ Schule zu besuchen, per Internet. Bei der School of the Air gibt es ein virtuelles Klassenzimmer: Die Lehrerin befindet sich in Alice Springs und wird während ihres Unterrichts per Kamera aufgenommen. Dies wird dann zu den ca. 10 Schülern pro Schuljahr per Internet übertragen. Gegenseitig können sich Schüler und Lehrerin über Skype sehen und hören. Eine der Lehrerinnen hat uns eine Führung gegeben, das war ziemlich interessant. Es kann passieren, dass der Klassenkamerad 2000km entfernt wohnt! Um die „social skills“ zu erlernen, gibt es 3 mal im Jahr ein großes Schultreffen mit Schülern, Eltern und Lehrern. Nach dieser kulturellen Weiterbildung müssen wir erstmal für das leibliche Wohl der nächsten Woche sorgen, denn bekanntlicherweise sind Supermärkte so mitten in der Wüste eher rar gesät. Deshalb plündern wir in Alice Springs nochmal den Woolworth und kaufen haltbare Lebensmittel und Wasser für die nächste Woche. Zum Glück auch Möhren und Eukalyptus für Struppel und mich. Im K-Mart nebenann gönnen sich Simona und Flo noch 2 Kopfkissen für je umgerechnet 4 Euro, ein bisschen Luxus muss ja schon sein. 🙂 Dann geht es zum Hostel in Alice Springs, das ziemlich klein und gemütlich ist.


Nach einer wundervollen Nacht in einem richtigen Bett starten wir am nächsten morgen nach Glen Helen in den West MacDonell Ranges, einem Gebirgszug in der Simpson Desert. Naja, Gebirgszug ist ein bisschen übertrieben, vielleicht eher ein Gebirgszüglein, denn die Berge sind so um die 800m hoch. Entlang der Strecke gibt es immer wieder Spalten zwischen den Felsen, wo ein Fluss durchfließt. Das nennt sich dann „Gorge“, ist ziemlich kalt und man kann meistens darin baden. Nach 130km sind wir schon an unserem nächsten Etappenziel angekommen, dem Glen Helen Resort an der Glen Helen Gorge, wo wir ein „Safari Tent“ für die nächsten 2 Nächte gebucht haben. Mit dem, was man sich normalerweise unter einem „Resort“ vorstellt, hat ein Wüstenresort wenig zu tun. Nix mit Spabereich und Frühstücksbüffet – stattdessen viel roter Sand, ein paar Blechhütten (Toilettengebäude, Campküche inklusive jede Menge Staub und Spinnweben), ein Pub, 2 Benzin-Zapfsäulen, ein „General Store“ (die Auswahl der Produkte beschränkt sich auf Chipstüten und Tütensuppe), eine Ansammlung rustikaler Zelte und ein paar zutrauliche Papageien. Aber es hatte Style, so stellt man sich die Wüste vor. In diesem Resort lernen wir auch ein nettes Schweizer Paar in unserem Alter kennen, mit denen wir den Abend verbringen. A


m nächsten Tag ist chillen und Kniffel spielen angesagt, bevor es am Tag darauf weitergeht  zum straßentechnisch spannendsten Teil der Strecke: Wir fahren unter anderem den Meerenie Loop, eine 155km lange unbefestigte Staubpiste mit Corrigations (kleine Wellen im Boden), Schlaglöchern und fiesen spitzen Steinen. Man muss je nach Abstand der Wellen im Boden mindestens 50-70km/h fahren, damit man diese nicht mehr so stark merkt (das Geschüttel hält sonst kein Mensch 155km aus) – das Problem ist aber, das man bei der Geschwindigkeit trotzdem noch Schlaglöchern und spitzen Steinen ausweichen muss. Das ist gar nicht so einfach und erfordert viel Konzentration. Auf der gesamten Staub-Strecke (=3 Stunden) kommen uns ganze 5 Autos entgegen. Die ziehen dann eine riesige Staubwolke hinter sich her. Auf der Strecke gibt es ca. alle 80km ein Notfall-Satellitentelefon – da will man sich nicht ausmalen, wir es ist, wenn man genau zwischen 2 Telefonen liegenbleibt oder irgendetwas anderes passiert….Außerdem gibt es tausende Fliegen, die einem überall dahin krabbeln, wo man sie gerade nicht haben will: In die Augen, Ohren, Nase und in kleine Wunden. Das ist schon echtes Outback-Feeling. Am Nachmittag kommen wir im Kings Canyon an, wo wir die nächsten beiden Nächste verbringen werden. Dort bauen wir auch zum ersten Mal unser neues Zelt auf. Vielmehr kümmert sich Flo darum, Simona räumt mal wieder Sachen hin und her (das nennt sie Ordnung machen) und Struppel und ich chilllen eine Runde. Abends schauen wir uns den Sonnenuntergang über dem Kings Canyon an, einfach wahnsinn, wie der rote Stein zu leuchten beginnt.


Am nächsten Morgen stehen wir ganz früh auf, denn wir wollen den anspruchsvollen „Kings Canyon Rim Walk“ machen. Da die Wettervorhersage 36 Grad angibt, müssen wir um 7 Uhr starten, denn später wird der Weg gesperrt, da die Gefahr von Hitzeschlag und Dehydrierung zu groß ist. Die Wanderung ist wunderschön und gleichzeitig sehr anstrengend. Wir treffen einen Ranger, der uns beglückwünscht, was wir für ein Glück mit dem Wetter hätten. Es wäre ja so „nice and cool“ Die letzten Wochen wären es zwischen 45 und 50 Grad gewesen. Naja, so kühl fühlt es sich nach einer halben Stunde steilem Aufstieg gerade nicht an, auch wenn es erst 8 Uhr ist. Um die Mittagszeit sind wir von der Wanderung zurück und verbringen den Rest des Tages auf der Wiese im Schatten.

4 Gedanken zu “Das Outback – Teil 1

  1. Das war nochmal ein spannender Bericht, wunderbar zu lesen. Lustig, wie Ihr Eure Aufnahme mit dem Auto gemacht habt. Wir freuen uns nun, euch wiederzusehen und wünschen Euch einen guten Rückflug! Heute mal ausnahmesweise liebe Grüße aus Münster!

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  2. Das ist ja wirklich Wildnis pur. Das Kochen in der modernen Küche hat es euch sicher angetan. Und die Auswahl der Schuhe ist besonders groß, für jeden etwas dabei.
    Gut zu wissen, dass ihr wieder heil in Melbourne angekommen seid.
    wir freuen uns auf euch! Bis dann liebe Grüße von daheim.

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  3. Hallo , ihr Lieben ………
    nun hat das “ auf dem Kopf stehen “ bald ein Ende !

    Eine herrliche Reise mit tausend Erfahrungen , Abenteuern , Begegnungen hat nun ein
    Ende gefunden !

    Vielen Dank , das wir alle daran teilhaben durften !
    Leider, leider konnte ich die Bilder vom Ayers rock und rundherum ……………
    nicht vergrößern !!!

    Vielleicht kann man das noch ändern !?
    Ansonsten schau ich mir alles bei Waltraud an !!!!!!!!!!!!!!!!

    Ich sage schon mal WILLKOMMEN ZU HAUSE !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Herzlichst Walli

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  4. Was ist die Welt doch schön, jedoch nicht jede Küche!
    Hoffentlich wird es euch daheim nicht zu langweilig, nach dieser abenteuerlichen Reise.
    Euren Teil 2 von heute konnte ich leider nicht öffnen, aber das ist ja nachzuholen.
    Schon jetzt ein dickes DANKE für die lebendigen und interessanten Berichte.
    Ich wünsche euch ein gutes Heimkommen und nicht zu viel Abschiedsschmerz.
    Bis bald drückt euch Gete/Anne

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