Der Caprivistreifen

Vom Etosha-Nationalpark fahren wir weiter Richtung Norden in den so genannten Caprivistreifen an der Grenze zu Angola. Unser erster Zwischenstopp liegt 20km östlich von Rundu und heißt N’kwazaki Lodge&Camp. Auf dem Weg dorthin werden wir gnadenlos vom Nationalpark in die furchtbare Armut der dritten Welt katapultiert. Über hunderte Kilometer reihen sich Ansammlungen einfachster Lehmhütten mit Strohdach entlang der Hauptstraße. Menschen, Kühe, Esel, Hühner und Ziegen laufen am Straßenrand  umher, teilweise auch auf der Straße und über die Straße, auf der das Tempolimit 120km/h beträgt. Menschen tragen verdreckte Eimer und Kanister mit Wasser auf ihren Köpfen von der Wasserstelle zu ihren Hütten. Es gibt zahlreiche Rastmöglichkeiten entlang der Straße, doch trotz der knapp 500km langen Etappe halten wir nicht länger als zum Fahrerwechsel. Grund sind die Kinder, die man als scheinbar alienartige Weiße wie ein Magnet anzieht. Einerseits soll man den Kindern nichts geben, um sie nicht zum Betteln zu erziehen. Aber anderseits bringen wir es auch nicht übers Herz, vor traurigen hungrigen Kinderaugen unser Picknick einzunehmen. In Rundu erreicht das Chaos seinen Höhepunkt. Es ist ein heilloses Durcheinander aus Menschen, Tieren und Verkehr. Mit einer europäischen Stadt nicht zu vergleichen. Zu unserem Camp geht es von der asphaltierten Straße immer weiter in den Busch vorbei an erbarmungsloser Armut. Im Reiseführer lesen wir, dass viele Menschen aus dem nur ca. 2km entfernten und noch ärmeren Angola nach Namibia flüchten. Unser Camp ist dagegen nahezu luxuriös mit Terrasse am Fluss. Wir sitzen mit einem kühlen Bier auf der Terrasse und genießen den Sonnenuntergang, während sich am anderen Flussufer in Angola die Menschen im Fluss waschen und diesen als Waschmaschine benutzen. Irgendwie ziemlich skuril. Wir sind fast ein bisschen beschämt, dass es uns so gut geht. Überwältigt von den Eindrücken des Tages fallen wir todmüde ins Bett. Beim Einschlafen hören wir die Nilpferde am Flussufer grunzen.

Am nächsten Tag haben wir uns nur eine kurze Etappe vorgenommen. Unser Ziel ist das Shametu River Camp in Divundu und liegt nur ca. 200km östlich von Rundu. Kaum ist das Tor des letzten Camps hinter uns geschlossen, läuft das Dritte-Welt-Programm erbarmungslos weiter. Doch diesmal sind wir ein bisschen besser darauf eingestellt. In Divundu müssen wir das erste Mal tanken. Dank unserem Safari-Deluxe-Auto mit 2 Tanks von 60+80l müssen wir sehr selten tanken. Die ersten 60km zeigt die Tanknadel einfach die ganze Zeit „full“ an, erst bei Anbruch der letzten 80l bewegt sie sich langsam nach unten. An der Tankstelle herrscht für den westlichen Geschmack ebenfalls heilloses Durcheinander. Kühe und Ziegen laufen zwischen den Zapfsäulen umher. Menschen haben einen kleinen Markt am Rand installiert. Und mittendrin 2 weiße Aliens und 3 kleine Kuscheltiere. Alle sind nett zu uns, wir sind wachsam, fühlen uns nicht unsicher.

Das Tor zum Shametu River Camp trennt erneut die dritte Welt von der ersten Welt – meist leider die schwarze von der weißen Welt. Für 20 Euro bekommen wir einen großen Platz, wieder mit eigenem Küche- und Badhäuschen. Die Campingplätze haben in Namibia anscheinend immer eine gehobene Ausstattung und auf dem gleichen Gelände befindet sich immer auch eine luxuriöse Lodge. Am Fluss gibt es wieder eine super Terrasse mit Pool und Blick auf den Fluss. Diesmal sehen wir auch ein paar Nilpferde darin herumschwimmen. Wir haben einen richtig entspannten Tag. Abends gehen wir zur Feier des Urlaubs im dem Camp zugehörigen Restaurant essen. Nach dem Essen unterhalten wir uns mit der südafrikanischen Besitzerin des Camps, um ein bisschen über die Lebensumstände der Menschen hier zu erfahren. Sie beantwortet uns schon einige Fragen und schlägt uns vor, am nächsten Tag mit einer ihrer namibianischen Mitarbeiterinnen ein traditionelles kleines Dorf zu besuchen. Gesagt, getan. Am nächsten Morgen laufen wir mit ihr in eine nahe gelegene Ansammlung von Lehm- und Strohhütten, an denen wir die letzten zwei Tage schon so oft vorbeigefahren sind. Wir werden schon von ihren Verwandten erwartet. Eine Großmutter mit ihren 7 Enkeln. Wir dürfen zuschauen, wie ein traditionelles Essen aus Getreide und Nüssen zubereitet wird. Eine wahnsinnig tolle Erfahrung.

Danach müssen wir leider weiter, denn es soll nach einem kleinen Zwischenstopp in Kasane (Botswana) zunächst weiter zu den Victoriafällen in Simbabwe gehen. Während der Fahrt hören wir auch ab und an Namibia-Radio. Hier kann es schon mal vorkommen, dass die CD im Radio spingt und ein Lied weiter gedrückt wird :-D. Die Einreise in Botswana ist etwas abenteuerlich. Wir müssen mit unseren Schuhen auf mit Desinfektionsmittel getränkten Lappen herumtreten. Zudem müssen wir unsere Paprika und unsere Avocado abgeben, was wiederum auf einem Formular für Paprika und einem Formular für Avocado vermerkt und von uns unterschrieben werden muss. Das Ganze soll verhindern, dass sich die Maul- und Klauenseuche ausbreitet. Dass wir noch weitere „verbotene“ Lebensmittel im Kühlschrank haben, interessiert den Beamten nicht, scheinbar ist er mit den zwei Sachen, die er gefunden hat, zufrieden. Kaum sind wir 5 Meter durch Botswana gefahren, laufen schon die ersten Elefanten über die Straße. Traumhaft. Leider haben wir in Kasane kein Camp vorgebucht und es scheint alles ausgebucht zu sein. Mit etwas Charme kann Flo doch noch ein kleines Plätzchen für uns am Fluss ergattern. O-Ton der Dame an der Rezeption: Auf Platz 17 passt noch nicht mal ein Fahrrad, aber Sie dürfen sich den Platz gerne anschauen. Natürlich ist der Platz groß genug für unser Auto inklusive Dachzelt. Im Sonnenuntergang versammelt sich eine riesige Elefantenherde am gegenüberliegenden Flussufer. Botswana hat schon unser Herz erobert. Doch morgen fahren wir erst einmal zu den Victoriafällen nach Simbabwe, bevor wir in zwei Tagen wieder nach Botswama zurückkehren.

2 Gedanken zu “Der Caprivistreifen

  1. Ach, Ihr Lieben was habe ich für geteilte Gefühle, wenn ich den Bericht lese und die Bilder sehe, ganz ungeteilt ist meine Freude nicht.. Vielleicht aber leben die Menschen nicht nur unglücklich und arm. Sicher sind sie in vielen Stunden sorgloser als wir ‚Reichen‘ in Europa, wenn sie denn genügend Essen haben, und da spielen sicher Sonne, Wind und Regen eine entscheidende Rolle. Herzlichen Dank für den Bericht und die Bilder, ich werde lernen, diese zu verkraften.
    Noch eine schöne Reise, ich warte ungeduldig auf den näc,hsten Bericht. Könnt Ihr eine Karte Eurer Reiseroute mailen? Alles Liebe, Oma

    Like

  2. Hallo nach Afrika ……………

    Liebe Simona , lieber Florian ………….

    irgendwie bin ich total traurig ,
    wegen all der Kontraste ( schwarz und weiß ) ( arm und reich ) !!!!!!!!!!!!

    Aber trotzdem bin ich seeeeeehr beeindruckt ob all dieser Erlebnisse die ihr habt ,
    und auch noch haben werdet !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Elefanten auf der Straße,
    erlebe ich hier in Gladbach nicht
    und noch nicht mal in Köln 🙂 !!!!!!

    Passt auf euch auf und genießt noch viele wunderbare und faszinierende Augenblicke !!!!!!!!!!!!!!!

    Herzlichste Grüße
    Walli

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Barbara Zech Antwort abbrechen