Der Wechsel von Land A in ein Land B ist außerhalb des guten, alten Schengenraums teilweise eine Herausforderung. An einer Grenze treffen 2 Länder aufeinander, also wollen auch beide Länder wissen was los ist. Das eine Land hat eine Ausreisestation, das andere Land eine Einreisestation. Viele Länder haben eine Behörde für Immigration (Ein- und Ausreiseformalitäten von Personen) und eine Behörde für Customs (Zollformalitäten für Dinge). Die beiden Behörden haben natürlich nichts miteinander zu tun. Auch nichts mit der Landwirtschaftsbehörde, die für den Schutz vor Maul- und Klauenseuche zuständig ist. Die Zollstationen werden am Ein- und Ausgang auch immer noch von einem Polizeiposten bewacht. Macht also knapp 8 Behörden pro Grenzübergang. Wenn der Ausreiseersuch bei Land A erfolgreich absolviert ist, darf bzw. muss aus Land A ausgereist werden. Nach Passage des polizeibewachten Ausreisegates befindet man sich kurz im Niemandsland, meistens auf einer Brücke. Danach darf im Land B ein Antrag auf Einreise gestellt werden. Begleitet wird diese Prozedur jede Menge verschiedener Formulare und Bücher, in die man handschriftlich irgendwas eintragen muss. Das kurz zum Hintergrund.
Im Vierländereck von Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe befinden sich die Viktoriawasserfälle, welche weltbekannt sind und deswegen auch auf unserer Reiseroute nicht fehlen dürfen. Die Viktoriafälle liegen zum kleinen Teil auf dem Staatsgebiet von Sambia, zum größten und schönsten Teil auf dem Staatsgebiet von Simbabwe, einem Land, welches in der weltweiten Korruptionsrangliste einen ziemlich hohen Rang einnimmt. Zusätzlich hat Simbabwe mit einer Hyperinflation zu kämpfen. Aktuelles Zahlungsmittel ist zum Beispiel eine 20-Trillionen-Simbabwe-Dollar-Note. Wenn man sich diesen Schein beim Bäcker um die Ecke in 1 Cent Münzen umtauschen lässt, ist man wegen des Materialwertes der Münzen schlagartig der reichste Mensch auf Erden. Wahrscheinlich hat der Bäcker um die Ecke nicht genug 1 Cent Münzen, aber das Thema Simbabwe Dollar ist sowieso nur ein theoretisches Problem, da die Bezahlung in Simbabwe nur noch in Fremdwährungen (US-Dollar, US-Dollar oder US-Dollar) gewünscht ist.
Wir haben uns entschieden, die Viktoriafälle von Simbabwe aus zu besichtigen. Im Reiseführer wird empfohlen, die Besichtigung mit einer geführten Rundum-sorglos-Tages-Taxi-Tour von Kasane aus zu machen, da die Einreise mit dem Auto nach Simbabwe sehr kompliziert ist und es etwas Verhandlungsgeschick bedarf. In Kasane findet sich an jeder Straßenecke eine Werbung verschiedener Touranbieter für Tagestouren zu den Viktoriafällen. Da wir über Nacht bleiben wollen und organisierte Touren nicht so unser Ding sind, haben wir uns für einen Grenzübertritt in Eigenregie mit unserem Auto entschieden. Das hat Simona beim Autobuchen auch direkt beachtet und die 20 Euro teure Erlaubnis zum Grenzübertritt mitgebucht. Das beinhaltet ein zweites Warndreieck, welches in Simbabwe Pflicht ist, und ein 20-seitiges Papierpaket mit Genehmigung der Vermietung, Versicherungsschein und vielem weiteren.
Wir erreichen die Grenze Botswana-Simbabwe, an der eine LKW- Schlange kilometerlang, nein eigentlich kreuz und quer herumsteht. Teilweise warten LKW-Fahrer über 5 Tage auf eine Einreise nach Simbabwe. Wir umfahren diese LKW, welche schon seit 10 Jahren keine Chance auf eine deutsche TÜV Stempel hätten. Die Ausreise aus Botswana und die Ausreisepapiere für das Auto bekommen wir nach kurzem Anstehen unkompliziert. Bei der Einreise nach Simbabwe empfängt uns ein netter Zollmitarbeiter, welcher Flo bei der Verzollung des Autos unterstützt. Die Kosten betragen 110 US-Dollar. 50 Dollar davon bezahlt Flo mit Karte am Kartenlesegerät der Zollbehörde, der Rest muss bar bezahlt werden. Simona und Flo haben leider nur noch 15 Euro und 820 Namibia Dollar, welche eigentlich nicht genommen werden. Zähneknirschend rechnet der nette Zollbeamte die 820 Namibia-Dollar mit dem Faktor 1,3 in Südafrika-Rand um. Dass in Namibia beide Währungen gleichgestellt waren, interessiert in dieser Zollstation weniger. Irgendwie bekommen wir so den erforderlichen Betrag für das Auto zusammen. Nach unseren vorherigen Recherchen hätte es eigentlich teurer sein müssen, aber anscheinend gibt es da etwas preislichen Verhandlungsspielraum. Die Einreise für Simona und Flo kostet jeweils 30 US-Dollar. Diese könnten mit Kreditkarte bezahlt werden, leider ist jedoch das Gerät der Einreisebehörde seit ein paar Minuten kaputt. Das Kartenlesegerät der Zollbehörde funktioniert einwandfrei, kann aber leider nicht verwendet werden. Es handelt sich ja schließlich um eine komplett andere Behörde. Der nette Zollbeamte meint, das sei kein Problem. In Botswana, nicht weit weg von der Grenze, gebe es einen Geldautomaten. Der Geldautomat steht aber leider in Botswana, in dem Land, aus dem wir gerade erfolgreich ausgereist sind. Flo fragt eine andere Touristengruppe, ob sie uns bis Victoria Falls Geld leihen können. Aber siehe da, sie stehen aus dem gleichen Grund hilflos an der Grenze. Mit dem Unterschied, dass sie von einem Touroperator an der botswanischen Grenze abgesetzt wurden. Sie sollen nach Einreise in Simbabwe von einem simbabwischen Fahrer abgeholt werden, der wartet schon. Der botswanische Fahrer ist schon lange weg, sie haben Botswana ja bereits erfolgreich verlassen. Die Tourveranstalter wählen dieses Verfahren, um den Aufwand für das Personal und die Fahrzeuge zu reduzieren. Flo lässt Simona also kurzer Hand an der Grenze stehen und fährt mit 3 weiteren jungen Männer der ebenfalls bargeldlosen Touristengruppe zum nächsten Geldautomaten. Erst als die anderen weg sind, fällt Simona auf, das sie gerade alleine ohne Geld, Handy, Wasser oder irgendetwas anderem mitten im LKW-Chaos an der Grenze von Simbabwe steht. Da kann man nur warten, den Trubel beobachten und den Platz in der Schlange verteidigen. Die geldautomatenbedingte Einreise von Flo und seinen Mitstreitern zurück nach Botswana wird mit einer verwegenen Durchfahrt durch die Grenzstation erfolgreich zeitlich abgekürzt. Schließlich dient die Einreise ja nur dazu, Geld zu holen. Ansonsten hätte die erneute Ein- und Ausreise mindestens 2 Stunden gekostet. In der Mall 4 Kilometer von der Grenze entfernt gibt es tatsächlich 2 Geldautomaten, von denen erst einer leer ist. Da Flo das Auto abschließen muss, steht er in der Schlange der 4 Geldholer ganz hinten. Bei einer Transaktion kommen maximal 2000 Botswana Pula (= ca. 180 Euro) heraus. Das hindert die anderen jedoch nicht daran, mehrere Kreditkarten einzusetzen. Flo ist als Letzter an der Reihe: der Automat erlöst ihn mit dem schönen Geräusch des Zählens von Geldscheinen. Das ist nicht selbstverständlich, denn Summen von 20 Euro und mehr sind die Automaten von den Einheimischen meist nicht gewohnt. Die Ausreise aus Botswana wird durch ein kühnes Offroadfahrmanöver wieder zeitlich abgekürzt. Die Erteilung der Visa für Simona und Flo geht jetzt schnell, da Simona eisern den Warteplatz in der Schlange verteidigt hat. Wir beobachten, dass bei afrikanischen Einreisenden ab und an eine kleine „Fee“ beim Pass mit dabei ist, die ganz schnell in der Schublade verschwindet. Ein hoch auf den deutschen Pass, Schmiergeld ist bei uns nicht notwendig. Der Schlagbaum auf der Seite von Simbabwe geht für Simona und Flo erst auf, nachdem Flo sich noch das Gate-permit für das Auto erst von der Immigrationbehörde, später vom Zoll hat abstempeln lassen. Dann sind die beiden endlich nach 1,5 h in Simbabwe angekommen und auf dem 70km langen Weg zu den Viktoriafällen.
Die Victoriafälle sind wirklich beeindruckend. Sie erstrecken sich über eine Breite von 3km. Man kann die Wasserfälle zwar durch den Sprühnebel nicht komplett sehen, aber das Geräusch, das 100m in die tiefe stürzende Wassermassen verursachen, ist unglaublich laut. Flo behauptet beim Einschlafen abends vehement, bei dem lauten Rauschen handele es sich um einen Zug (tatsächlich gibt es in Victoria Falls einen Bahnhof). Nach 10 Minuten gibt er auf, denn so lang ist kein Zug. An den Vicoriafällen führt über die gesamte Breite ein Wanderweg entlang. Kleine Abstecher führen zu zahlreichen Aussichtspunkten. Dort steht man durch den Sprühnebel meist in einem richtigen Nieselregen. Die hohe Luftfeuchtigkeit führt dazu, das entlang des Weges ein prächtiger Regenwald wächst. Bei tiefstehender Sonne gegen Abend bilden sich wunderschöne Regenbögen über den Wasserfällen. Doch nicht nur die Victoriafälle sind eine Attraktion, sondern auch die umherlaufenden Touristen in peinlichsten Safarioutfits mit Regencapes darüber. Wir machen eine Pause, weil Flo vor Hunger quengelt. Die Banane, die Simona am Morgen nur kurz auf den Tisch gelegt hatte um sie dann einzupacken, ist leider nicht mehr da. Ein Affe hat sie geklaut, so schnell konnte man gar nicht gucken. Ich gebe Flo stattdessen eine Möhre ab.
Den ereignisreichen Tag wollen wir mit einem leckeren Essen im Restaurant ausklingen lassen. Da nachts sowohl Nilpferde und Warzenschweine als auch nicht ganz so nette Menschen durch die Stadt laufen können, entscheiden wir uns für das Restaurant im Camp. Flo probiert Nudeln mit Krokodil, was ihm ziemlich gut schmeckt.
Am nächsten Tag geht die Aus- und Einreiseprozedur sowohl für Mensch als auch für Auto wieder rückwärts, was deutlich einfacher ist als am Vortag. Trotzdem müssen gefühlt zwanzig Schritte durchlaufen werden. Bei jedem Schritt ist mindestens ein Stempel und ein Formular notwendig. Zurückblickend ist es kaum zu glauben, dass Flo gestern mit dem Auto und drei weiteren Leuten einmal aus Botswana ein- und wieder ausgereist ist und dabei jegliche Kontrollen ignoriert hat, ohne aufgehalten zu werden.
Das Ergebnis der letzten Tage: Eine tolle Tour zu den Victoriafällen, jeweils 17 Ein-und Ausreisestempel in Simonas und Flos Pässen und jede Menge ausgefüllter Formulare. Es lebe der Schengenraum!












Ach, meine lieben Finchen, das ist ein Ding, da muss man sich wahrhaftig in Geduld üben. Mussten sich Eure ‚Reisebegleider‘ auch ausweisen? Und wieder so beeindruckende Bilder. Ich hoffe, Ihr habt nichts dagegen, wenn ich meiner Schwester und einer Freundin, die ebenfalls schon in Afrika waren und so sehr schwärmen, Euern Bericht zum Lesen weiterleite?!
Ich freue mich so sehr mit Euch, auch wenn es manchmal nervig ist. Ich freue mich auf den nächsten Bericht und schöne Bilder. Tausend DankEuch beiden, herzlichst Oma B…
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Puuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuhhhh,
das war anstrengend !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Aber wieder einmal fantastische Bilder !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanke !!!!!!!!!!!!!!!!!!
Und weiterhin eine gute Fahrt durch Afrika !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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Hallo, ihr 5 Afrikaner!
Was sind das für Erlebnisse —- und Fotos!
Mangels Computer konnten wir eure Abenteuer jetzt erst lesen. Es ist so beeindruckend.
Wir freuen uns auf euch und eure Berichte zu Hause.
Und lasst euch nicht wieder die Bananen klauen!
Wir drücken euch,
Waltraud und Günther / Papa und Mama
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