Von Elefanten, Nilpferden, Giraffen und Angsthasen

Nach unserer Tour zu den Victoriafällen kehren wir erneut nach Kasane in Botswana zurück. Wir legen einen Ruhetag ein und besorgen genügend Proviant und Wasser, denn für die nächsten fünf bis sechs Tage werden wir in der Wildnis sein ohne Supermarkt, Internet oder Tankstelle. Wir möchten unser Auto nochmal volltanken, bevor es los geht. An der ersten Tankstelle gibt es kein Benzin, also fahren wir zur nächsten. Hier können wir den Tank schließlich randvoll machen. Noch sehr viel schlechter als an Benzin  (was hier übrigens mit 70ct/l superbillig ist) kommt man an frisches Obst und Gemüse. Salatgurke oder Kopfsalat – Fehlanzeige. Wenn es etwas gibt, guckt das Gemüse meist schon ziemlich braun aus der Wäsche. Man muss sich also mit dem begnügen, was es gibt.

Von Kasane aus fahren wir in den Chobe Nationalpark. Dieser teilt sich in drei Teile: Chobe Riverfront, Savuti und Lyniati. Wir fahren zunächst an die Chobe Riverfront. Die tolle Lage am Fluss mit einer riesigen Fülle an wilden Tieren gibt diesem Teil des Parks seinen Namen. Wir werden nicht enttäuscht: riesige Herden an Zebras, Büffeln, Antilopen und Elefanten kommen zum Fluss, um hier zu trinken. Später am Tag stolzieren mehrere Giraffenherden mit ihren Jungen durch den Sonnenuntergang. Die Straßen durch den Park sind keinesfalls befestigt. Es handelt sich um weichen Sand oder ziemlich unebenen eingetrockneten Matsch. Das Tempo beträgt also maximal 30km/h und man wird den ganzen Tag ordentlich durchgeschüttelt.

Am Abend kehren wir voller toller Eindrücke des Tages gerade noch rechtzeitig im wunderschönen Mhandi view Camp etwa 20km außerhalb der Nationalparktore ein. Am nächsten Tag stehen wir früh auf, um noch einmal an der Chobe Riverfront auf Safari zu gehen. Direkt hinter dem Eingang geraten wir in eine große Elefantenherde, die nicht so erfreut darüber ist, dass wir mitten durch fahren. Also schnell weg da. Kurze Zeit später erwartet uns eine große Affenbande. Einige schlafen noch, andere suchen sich gegenseitig nach Läusen ab und die Kleinen spielen miteinander. Den Nachmittag verbringen wir in Mhandi view am Pool. Wir nutzen die tolle warme Dusche und versuchen, unsere Füße wieder sauber zu bekommen. Die dreckigen Füße sind ein immer wiederkehrendes Element unserer Reisen: Da wir meist mit Flip Flops durch die Gegen laufen, sind die Füße alle 2-3 Tage für maximal fünf Minuten sauber. Sobald man aus der Dusche mit den Flip Flops zurück zum Auto läuft, beginnt sich schon wieder der Dreck in die Haut einzuarbeiten. Aber das gehört einfach dazu.

Am nächsten Tag wollen wir von Mhandi view zu einem anderen Tor des Chobe Nationalpark fahren, was ca. 50km entfernt liegt. Von dort aus sind es noch einmal 100km quer durch den Savuti-Teil des Parks nach Mababe, wo unser nächstes Camp liegt. Wir wissen, dass die Straße im Park ausnahmslos aus tiefem Sand besteht und man in diesem Teil des Parks wenige Tiere sehen wird. Trotzdem ist außenrum fahren keine Option. Zeitlich wäre es trotz 400km Umweg kein Unterschied, aber wir lieben doch das Abenteuer. Also schalten wir wieder den 4WD an und los geht’s. Dass bereits 10km nach unserem Start in Mhandi view und somit 40km VOR dem Tor des Nationalparks plötzlich die Asphaltstraße endet und der Sand anfängt, wussten wir nicht. Kein Wunder, dass sich die meisten Gäste der noblen Lodges im Park einfliegen lassen. Denn jedes noch so kleine Kaff ohne befestigte Straße, Tankstelle oder Supermarkt hat einen Airstrip. Die nächsten 150km werden wir wieder durchgerüttelt, -geschüttelt und -geschwankt. Struppel, Herbert und ich müssen uns gut festhalten. Unser Besteck müssen wir hinterher im ganzen Kofferraum wieder zusammensuchen. Wir haben ja zum Glück schon etwas Sand-Erfahrung aus Australien. Wer noch nie auf weichem Sand gefahren ist, der kann vielleicht mal versuchen, mit einem Fahrrad über den Strand zu fahren, dann weiß er was wir meinen. 😉 Unser Auto macht das alles hervorragend mit, wir bleiben kein einziges Mal stecken. Wir taufen ihn daher Toughi, der kleine Bruder von Roughi aus Australien. Nach ca. 20km kommen wir an eine Gabelung. Nach links zweigt ein Weg ab, der in unserer Open Street Map Karte auf dem iphone „Avoid this road“ (vermeide diese Straße) heißt. So abenteuerlustig sind wir dann doch nicht. Wir fahren geradeaus weiter. Unsere Navigations-App „Maps.me“ auf dem Handy ist ein wahrer Segen. Denn das letzte Mal ein Schild mit Straßennamen gesehen haben wir in Windhoek. Genauso ist es übrigens mit einer Ampel oder einem Bürgersteig. Die App zeigt mit großer Genauigkeit den noch so kleinsten Offroad-Pfad sowie unseren Standort an. Bei der Buchung unseres Autos haben wir uns zudem entschieden, ein Satellitentelefon zu mieten. Denn bei einer Panne kann man schonmal einen halben Tag warten, bevor irgendwer anderes vorbeikommt. Wir kommen aber heile und ohne Panne am anderen Ende des Nationalparks an. Auch unseren Mägen geht es trotz des ganzen Umrührens noch erstaunlich gut.

Im Park haben wir wenige Tiere gesehen, doch kaum haben wir das Gate hinter uns gelassen, laufen uns 5 Elefanten und ein Nilpferd über den Weg. Jetzt sind es nur noch 15km über eine schöne Schotterstraße zum Dizhana Camp. Urplötzlich steht mitten auf unserer schönen Schotterstraße ein Ausläufer des Okavango Deltas, sprich jede Menge Wasser. Beim langsamen Heranfahren kann man auch schon die professionelle Absperrung mittels zweier Stöcke erkennen. Die einzige Alternative ist eine geschlängelte Sandstraße links hinein in den Busch. Mitten ins Nirdendwo. Da es schon eine Stunde vor Sonnenuntergang ist und wir nicht groß Zeit zum Überlegen haben, nehmen wir diese Straße. Eine Alternative gibt es ja sowieso nicht, denn das Wasser ist mindestens kinntief, da können wir unmöglich durchfahren. Die Straße führt uns immer tiefer hinein in den Busch und die Entfernung zu unserem Camp wird stetig größer. Ab und an stehen ein paar Elefanten herum und schauen uns amüsiert an. Nach etwas angespannten 10 Minuten Fahrt die große Erleichterung: Die Entfernung zum Camp verringert sich wieder. Und tatsächlich: Nach ca. 20 Minuten Gekurve durch den Busch kommen wir 300m hintern der „Umleitung“ wieder auf der Schotterstraße an. Nach 7km geht es nochmal rechts ab tief hinein in den Busch zum Dizhana Camp. Hier gibt es 8 Plätze, die jeweils ca. 100m voneinander entfernt liegen. Auf jedem Platz können ein oder zwei Parteien übernachten. Dazu gehört ein Strohhäuschen mit Toilette und kalter Dusche. Das war’s. Kein Pool, kein Restaurant, kein Wifi, kein Strom. Kein Zaun drumrum und jede Menge wilder Tiere. Das Camp wird von netten Einheimischen geführt, die leider nicht so gut englisch können, dass eine längere Unterhaltung möglich wäre. Unsere netten südafrikanischen Nachbarn geben uns ein paar Basistips, unter anderem: Nicht im Dunkeln auf Toilette gehen. Als es dunkel wird, hört man die Elefanten und Hippos im nahegelegenen Wasserloch planschen.

Am nächsten Tag ist Entspannung angesagt. Wir bleiben einen weiteren Tag in Dizhana und lesen, sortieren Fotos und beobachten die Tiere. Im Sonnenuntergang kommt ein Elefant vorbei. Als es Abends dunkel wird, ist uns das Ganze ziemlich unheimlich. Wir sind jetzt allein auf dem Platz, denn unsere Nachbarn sind morgens abgereist. Überall raschelt, grunzt und brüllt es im Busch. Wenn es stockdunkel ist, kann man kaum einschätzen, wie weit die Tiere entfernt sind und um was für ein Tier es sich überhaupt handelt. Ein bisschen Basiswissen haben wir uns schon: Gegrunze = Hippo, Geplansche oder Getröte = Elefant, Gebrüll = Löwe. Wie weit die Tiere weg sind, kann man dann trotzdem nicht sagen. Wir sind in höchster Alarmbereitschaft. Bei jedem Geräusch zucken wir zusammen. Doch alles, was uns besucht, ist eine kleine Maus, die sich über unsere Vorräte hermachen will und schlecht aus dem Kofferraum zu verscheuchen ist. Uns ist das alles zu unheimlich, wir schnappen uns unsere Bücher, legen uns ins Zelt und hören uns das Ganze aus sicherer Entfernung an. In der Nacht wacht Flo von Löwengebrüll und lautem Gestapfe neben unserem Auto auf. Die Idee, mal kurz aus dem Zelt zu kriechen um die Blase zu entleeren, verwirft er schnell wieder. Morgens werden wir von einem Elefantentrötenkonzert geweckt. wir stehen früh auf, denn heute geht es weiter mitten hinein ins Okavango Delta.

4 Gedanken zu “Von Elefanten, Nilpferden, Giraffen und Angsthasen

  1. Ist das wieder ein toller Beitrag, ihr zwei, obwohl Papa froh ist, wenn ihr wieder zu Hause seid!
    Und endlich können wir mal euer Komfort-Zelt aufgeklappt und in aller Gemütlichkeit sehen.
    Danke für eure Mühe bei dem wirklich langen und spannenden Bericht.
    Nun schaukelt noch ein bisschen durch die Gegend und genießt die letzten Tröööt- und Grunzkonzerte in freier Natur.
    Liebe Grüße von daheim,
    wir zwei

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  2. Hallo Simona, mit großem Interesse lese ich von Anfang an eure Berichte und erfreue mich an den tollen Fotos.
    Ich wünsche euch weiterhin eine gute Reise.
    Liebe Grüße

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  3. Liebes Finchen, was bist Du für eine fleißge und so interessant schreibende Berichterstatterin, man bekommt eine Gäneshaut und gleichzeitig möchte ich dabei sein. Das größte Erlebnis an Eurer Reise , so denke ich, ist die Tatsache, dass Ihr Euch dem Schönen wie den erschreckenden Begebenheiten ganz allein in der weiten Welt zwischen soviel Unbekanntem bwegt und das alles so intensiv erlebt. Weiter, ich freue mich auf den nächsten Bericht, dennoch werdet nicht übermütig und passt gut auf Euch fünf auf. Herzlichts Oma B…

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  4. Einen ganz lieben Gruß an die beiden MUTIGSTEN MENSCHEN die ich kenne !!!!!!!!!!
    Peter und ich bewundern euch !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Ich schließe mich den Worten der lieben Oma Barbara an !!!!!!!!!!!!!!!!!

    Weiterhin viele wunderschöne Augenblicke

    Herzlichste Grüße Walli

    Danke , dass ich alles miterleben darf !!!!!!!!!!!!!!!!

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