Auf dem Weg vom Dizhana Camp zum Gate des Moremi game Reserve im Okavango Delta sehen wir schon auf dem Weg am Straßenrand viele Elefanten und andere Tiere. Kurz vor dem Nordtor in Kwhai müssen wir einen Fluss überqueren. Eine Brücke gibt es leider nicht. Am Rand liegen einige Betonteile zum Brückenbau. Laut dem netten südafrikanischen Paar aus dem Dizhana Camp liegen diese Teile dort schon seit Jahren, ohne dass eine Brücke gebaut wurde. Die restlichen Gelder für die Brücke müssen irgendwie abhanden gekommen sein….Von dem südafrikanischen Paar haben wir auch schon gehört, wie man durch dieses ziemlich tiefe Watercrossing durchfahren muss. Wir sollen nicht gerade durchfahren, sondern einmal um den Baum drumrum, der im Wasser steht. Als wir dort sind, wird uns beim Anblick des tiefen Wassers ganz anders. Wir entscheiden uns, zu warten, bis jemand anderes durchfährt, um uns das Ganze erst einmal anzuschauen. Kurze Zeit später kommt ein Einheimischer. Er fährt zuerst und wir sollen ihm folgen. Das Wasser ist wie erwartet sehr, sehr tief. Wenn Wasser in die Luftansaugung gerät, kann dies einen Motorschaden und somit das Aus für unsere Tour bedeuten. Aber es gibt keine Alternative. Es gibt zumindest jemanden, der uns wieder rausziehen kann, wenn wir uns festfahren, denn wir sind immernoch mitten im Nirgendwo. Also nimmt Flo seinen ganzen Mut zusammen und Simona und wir drei halten die Luft an. Und es klappt! Zwischen Wasseroberfläche und Luftansaugung sind immerhin noch 10cm Platz. Was wir hinterher auf den Fotos erst sehen: Wir sind jemandem hinterher gefahren, der einen Schnorchel an seinem Auto hat und dem die Wassertiefe prinzipiell egal ist. Gut, dass wir das nicht vorher wussten.
Im Moremi Game Reserve angekommen schaukeln und hopsen wir uns über weichen Sand und große Schlaglöcher in die Tiefen des Okavango Deltas. Auch hier gibt es einige Wasserüberquerungen. Da sonst niemand da ist, der für uns testweise durchfahren könnte, watet Flo erstmal zu Fuß hindurch. Vorher schauen wir natürlich nach, ob zufällig ein Nilpferd oder Krokodil seinen Mittagsschlaf darin macht. Bis knietief ist ok, hat das südafrikanische Paar gesagt. Nach der Aktion vom Morgen sind diese Watercrossings ein Klacks. Bei diesen Straßenverhältnissen brauchen wir teilweise über 1 Stunde für 10km. Auf dem Weg sind immer wieder Tiere zu bestaunen, unter anderem auch eine Elefantenherde mit zwei Babys, die miteinander spielen und ausprobieren, was sie mit ihrem Rüssel alles machen können. Abends kommen wir im „Third Bridge“ Camp an, wo wir die Nacht mitten im Delta verbringen möchten. Die Brücke über den Fluss direkt am Camp gibt diesem seinen Namen. Auch Löwen benutzen gerne diese Brücke, um ans andere Flussufer zu kommen, damit sie keine nassen Füße bekommen. Bei der „Third Bridge“ handelt es sich um ein Kunstwerk professionellem afrikanischem Brückenbaus. Das Besondere an dieser Brücke ist nämlich, dass sie in der Mitte aufhört, und man den Rest durch das wieder einmal sehr, sehr tiefe Wasser fahren muss. So ganz ohne nasse Füße kommen die Löwen dann doch nicht ans andere Ufer.
Als es dunkel wird, entscheiden wir uns, ein Lagerfeuer zu machen, damit es nicht ganz so unheimlich wird wie am Abend zuvor. Denn das Third Bridge Camp ist aus oben genannten Gründen bekannt für die große Dichte an Löwen. Und auch hier sind die einzelnen Stellplätze wieder ca. 150m voneinander entfernt und es gibt keinen Strom, sprich, kein Licht. Beim Abendessen hören wir Hippos und Elefanten im nahe gelegenen Wasser planschen.
Am nächsten Morgen sitzen wir gerade bei einem entspannten Frühstück, als ein Mitarbeiter des Camp aufgeregt mit dem Pick Up durchs Camp fährt, um alle zu warnen, dass gerade 2 männliche Löwen im Camp unterwegs sind. Und tatsächlich: während wir seelenruhig beim Frühstück sitzen, laufen 30m hinter unserem Rücken die 2 Löwen den Weg auf und ab. Wir springen sofort ins Auto und fahren etwas näher heran. Nach der Löwenaufregung eilen wir zum Bootsanleger des Camps, wo wir mit einem jungen südafrikanischen Paar, das wir am Vortag kennengelernt haben, zu einer Bootstour verabredet sind. Wir schippern in der Morgensonne durch das Delta und beobachten unzählige Wasservögel sowie einige Nilpferde und kleine Krokodile.
Nachdem wir die Löwen noch einmal beim Faulenzen auf einem kleinen Hügel nahe dem Camp beobachtet haben, geht es mittags wieder zurück zunächst raus aus dem Moremi Game Reserve und dann weiter über die Gravel Road nach Maun. Kurz vor Maun taucht nach 6 Tagen erstmals wieder eine asphaltierte Straße auf. Wir freuen uns wie kleine Kinder. Die letzten 6 Tage haben wir uns nur um 500km bewegt, haben aber aufgrund der Straßenverhältnisse dafür aber ca. 25 Stunden gebraucht. Wir verleihen uns selber den Offroad Plus Führerschein für gekonntes Fahren durch weichen Sand und Wasserüberquerungen. Für Offroad Extrem bräuchten wir einmal Steckenbleiben oder eine Reifenpanne, darauf können wir verzichten.
In Maun bleiben wir für zwei Nächste auf dem Campingplatz der Island Safari Lodge. In den Bäumen über uns ist ein großes Affentheater. Die Affen klauen alles, was ihnen in die Finger kommt. Wir malen uns schon in unseren Köpfen aus, wie wir dem Mitarbeiter der deutschen Botschaft erklären, auf welche Art und Weise unser Pass abhanden gekommen ist… 🙂 Wir machen eine 3-stündige Mokorotour durch das Okavangodelta. Ein Mokoro ist eine Art flaches Kanu mit sehr niedrigem Rand, in dem 2 Leute Platz haben. Man sitzt quasi auf dem Boden des Mokoros. Hinten steht der so genannte Poler, der mit einem langen Holzstab das Mokoro vorantreibt. Es ist wunderschön, das Delta so nah zu erleben. Wir sehen viele Wasservögel, ein paar Hippos und auch ein paar Elefanten am Rand. Meine Möhre fällt ins Wasser, aber Flo kann sie zum Glück retten. Wo die schon alles hinuntergestürzt ist….
Von Maun aus fahren wir eine sehr lange Etappe (800km) zurück nach Windhoek. Es handelt sich zum Glück um einen Highway mit Asphalt und je einer Spur pro Fahrrichtung, sodass wir schnell vorankommen. Trotzdem muss man vor allem während der ersten 300km höllisch aufpassen, weil immer wieder Kühe, Ziegen oder Esel mitten auf der Straße stehen oder über die Straße laufen. Zudem gibt es Schlaglöcher von der Größe eines Elefantenpopos. Dafür ist die Straße kerzengrade und wir können uns sicher sein, dass wir in keinen Stau kommen. Maximal alle 20 Minuten kommt uns ein Auto entgegen. Etwas geschafft von der langen Etappe kommen wir schließlich in Windhoek an. Leider haben wir vor lauter Gefahre vergessen, uns nach dem Grenzübergang wieder namibische Dollar zuzulegen (unsere restlichen Dollar musste wir ja an der Grenze nach Zimbabwe opfern). Also können wir unseren Campingplatz nicht bezahlen. Das heißt nochmal rein ins Auto und 10km zurück in die Stadt. Schließlich kommen wir doch noch zu unserem Abendessen und unserem wohlverdienten Schlaf. Denn am nächsten Tag starten wir schon auf unsere letzte Etappe dieser Reise zu den Sanddünen von Sossuvlei.
















Nein ! So kann das doch nicht weiter gehen,man zittert von Anfang bis zum Ende mit. Werdet nur nicht übermütig und kehrt mir gesund und ohne Bläsuren nach Haus zurück. Wie Ihr ohne Passierschein zurück kommt, wird ja nochmal spannend. Ich wünsche Euch für den Rest Eurer Reise Überraschungen, aber im Maße und eine glückliche Heimfahrt. Herzlichst, Eure Oma B…
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Wie immer ein toller Bericht mit interessanten Fotos!
Martin und ich durften uns ja 2010 „offroad extrem“ in Australien verleihen und in der Tat ist so was erst in Nachhinein lustig…
Bis bald.Nora
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