Mit Outbackabenteuer zurück nach Perth

Mit den tollen Eindrücken des Karijini Nationalparks im Kopf geht es durch das Outback in 2 Etappen zurück nach Perth. Den ersten Tag fahren wir 9 Stunden quasi durch mit Fahrerwechsel alle 1,5-2 Stunden. Bei einer kleinen Eis- und Toilettenpause unterhalten wir uns mit einem Roadtrainfahrer. Roadtrains sind bis 55m lange LKW mit bis zu 5 „Waggons“, die alle möglichen Güter quer durch das Outback fahren. Besagter Fahrer freut sich über eine kleine Abwechslung und berichtet uns, dass die „Trucker“ immer 16 Stunden fahren (inklusive Pause mindestens alle 5 Stunden) und danach zum Schlafen 8 Stunden Pause machen. Und das bis zu 11 Tage am Stück! Danach sind nur 2 Tage frei, danach geht das Ganze von vorne los. Der arme Kerl hat in den letzten 4 Tagen schon die Strecke zurückgelegt, die wir in den letzten zwei Wochen gefahren sind. Die Summe der Autos, die uns auf der Strecke Karijini – Perth (1400km) entgegen kommt, wäre uns auf einer deutschen Autobahn innerhalb von einer halben Minute entgegen gekommen. Wir fahren zwei Tage durch eine auf den ersten Blick etwas eintönige Wüstenlandschaft mit rotem Sand und kleinen Büschen soweit das Auge reicht. Aber Büsche können auch sehr abwechslungsreich sein, wenn man sich darauf einlässt: sie können groß sein oder klein, mit Blättern oder ohne Blätter, letztere struppiger oder saftig grün, vom Buschfeuer angekokelt oder unversehrt, mit Vogel drauf oder ohne Vogel drauf, mit Wildblumen drumherum oder ohne. Auch der rote Sand kann grobkörniger sein oder fein, mit Steinen hier und da oder ohne, etwas mehr ins bräunliche gehend oder eher leuchtend rot. Die beiden Nächte verbringen wir etwas abseits der sehr wenig befahrenen Straße im wahrsten Sinne des Wortes „im Busch“. Bei Kerzen- und Mondschein genießen wir die einsamen Outbackabende und -nächte. Die Abende sind zumindest vor Sonnenuntergang nicht ganz so einsam, da mindestens 200 Buschfliegen mal neugierig gucken, wo es denn etwas zu trinken gibt, zum Beispiel im Auge oder in der Nase. Da hilft nur das komplett bescheuert aussehende Fliegennetz zum Überstülpen. Mit der Dämmerung ist der Spuk schlagartig vorbei und man kann das Netz dann zum Glück wieder ablegen, denn Essen und Trinken ist damit eher schwierig bis unmöglich. 

Etwa 250km vor Perth ändert sich die Landschaft von Kilometer zu Kilometer. Es wird grüner und die Wildblumen am Straßenrand explodieren förmlich in ihrer Farbenpracht. Kurz vor Perth dominieren saftig grüne Kuh- und Schafweiden, Raps- und Weizenfelder das Bild. In Perth angekommen gönnen wir uns einen Campingplatz, denn nach nun insgesamt 3,5 Tagen ohne Dusche haben wir die dringend nötig. Frisch geduscht und wie neugeboren verbringen wir den späteren Nachmittag und Abend im Sir James Mitchell Park in South Perth, von wo man einen wunderschönen Blick auf die Skyline von Perth hat. Wo gäbe es einen besseren Ort, um Tortellini zu essen? Lustigerweise gab es – mehr zufällig – an schon vielen schönen Orten Tortellini 🙂 Da wir unsere komplette Wohnung ja dabei haben, ist das kein Problem! 

Am nächsten Tag lassen wir das Auto auf dem Campingplatz und fahren mit der S-Bahn in die Innenstadt von Perth. Wir lassen uns ein bisschen durch den Tag treiben, sparzieren durch den Kings Park und sagen bei Flos Kollegen im Indurad-Büro in Perth kurz Hallo. Wir finden einen neuen Hut für Simona, denn der alte ist schon ein bisschen kaputt gereist. Abends essen wir in einem leckeren Restaurant Fish und Chips und können uns danach kaum mehr bewegen. So fettiges Essen sind unsere Mägen nicht mehr gewöhnt. 🙂 gegen 20:30 Uhr machen uns mit der Bahn auf den Rückweg nach Hause. Außer uns sind kaum Touristen unterwegs. Neben uns sitzt ein Mann, dessen Smartphone klingelt. Auf dem Display steht „Wife Second“. Diese Bezeichnung wirft einige Fragen auf und lässt uns auf dem nach Hause Weg von der Bahnstation zum Campingplatz noch ein bisschen philosophieren….

4 Gedanken zu “Mit Outbackabenteuer zurück nach Perth

  1. Zwischendurch liebe Grüße und ein DANKE für die tollen Berichte mit den unglaublich schönen Fotos. Auch Ziegen haben was !! Gesichtsnetze auch 😉
    Noch viele besondere Eindrücke, Anne und Ralf

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  2. Wie wunderschön eure Bilder und eure Erlebnisse!
    Ihr seid aber auch ganz schön fleißig mit euren Berichten. Aber so eine Reise ist doppelt schön,wenn man sie ein wenig mit anderen teilen kann, wenn auch nur durch Erzählen.
    Genießt noch die Tage, die euch bleiben und eine gute Heimreise für euch.
    Papa Günther und Mama Waltraud

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  3. Wirklich großen Dank für die schönen Berichte (die ja auch ganz schön viel Arbeit machen) und dass Ihr Eure Urlaubszeit dafür spendiert! Wir grüßen Euch aus Essen, freuen uns aufs Wiedersehen und wünschen Euch nun einen guten Heimflug!

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  4. Tolle Bilder. Ich bin sehr wehmütig… Neid kann man es nicht nennen 😀
    Noch ein paar schöne Tage, vielleicht findet ihr ja noch „echte“ uggs?!… und einen guten Rückflug!

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