DO NOT FEED, DO NOT SWIM

Joe, der Besitzer unserer nächsten Unterkunft (Natures Edge Boutique Hotel bei Uvita), hat uns bereits im Vorfeld mehrmals kontaktiert, um uns darauf hinzuweisen, dass wir auch WIRKLICH und AUF JEDEN FALL ein 4×4-Auto haben, da eine Anreise zur Unterkunft sonst nicht möglich ist. Zwei Minuten, nachdem wir die Hauptküstenstraße Nr. 34 verlassen haben, wissen wir warum. Weitere zwei Minuten später finden wir auch drei Hinweise gerechtfertigt. Und nochmal fünf Minuten später fragen wir uns, ob unser chinesisches 4×4-Billigmodell diese Auffahrt überleben wird. Es handelt sich um eine Matsch-Schotterpiste mit durchgehend 45% Steigung (wirklich nicht übertrieben), die von riesigen Schlaglöchern und Bodenwellen übersät ist. Nach abenteuerlichen 20 Minuten im ersten Gang sind wir oben angekommen und finden uns in einem kleinen Paradies wieder. Die ruhig gelegene Anlage ist eigentlich gar kein richtiges Hotel. Sie besteht aus vier kleinen „Casitas“ (Häuschen) und einer separaten Outdoorküche samt Outdoor-„Esszimmer“ und Pool und liegt sehr weitläufig mitten im Regenwald. Von unserer Terrasse, die mit zwei Schaukelstühlen und einer Hängematte ausgestattet ist, können wir nicht nur auf endlosen Regenwald gucken, sondern auch den blauen Ozean sehen. Diese Aussicht ist kurz nach Ankunft – zumindest für den Rest des Tages – passe, denn es hat sich ein „kleiner“ tropischer Regenschauer angeschlichen. Da die Terrasse praktischerweise überdacht ist, genießen wir das Spektakel eines tropischen Regengusses mit einer Tasse Kaffe bzw. Tee von der Hängematte aus. Flo macht Struppel und mir auch ein bisschen Platz und Simona nimmt den Schaukelstuhl. Das Bett in unserem kleinen Häuschen ist so ausgerichtet, dass man beim Einschlafen und Aufwachen in die Weiten des Regenwaldes schauen kann. Außer uns ist nur noch ein niederländisches Pärchen hier. Es ist extrem ruhig, man hört nur die Vögel, Affen und Waschbären aus dem Dschungel. Und pünktlich um 16 Uhr den Regen. Das Thermometer zeigt ganze 99% Luftfeuchtigkeit an – aber auch nur, weil die Anzeige nichts Dreistelliges anzeigen kann. Wir haben hier schnell festgestellt, dass etwas, das nass wird – egal auf welche Weise – so schnell nicht wieder trocken wird. Und alles, was trocken war, wird leicht feucht, auch ohne direkt mit Wasser in Kontakt gekommen zu sein. Auch das Fell von Struppel und mir ist ständig etwas klamm. Dass es verlässlich zwischen 15 und 16 Uhr anfängt, zu regnen, stört uns überhaupt nicht. Diese Tatsache schafft uns die nötige Entschleunigung auf unserer Reise und um 18 Uhr wird es ja ohnehin dunkel.
Da es hier so schön ist, beschließen wir, in der Outdoorküche selbst etwas zu kochen und nicht wieder runter zum Meer zu fahren, um ins Restaurant zu gehen. Mindestens einmal im Urlaub muss es ja auch Nudeln mit Pesto geben!

Am nächsten Morgen gibt es nach einem Kaffee in der Hängematte und einem morgendlichen Bad im wundervollen Pool ein sehr leckeres Frühstück, dass der nette Besitzer uns zubereitet. Besitzer Joe kann praktischerweise sehr gut Englisch, da er aus den USA ausgewandert ist. Das Frühstück hier in Costa Rica ähnelt eher einem Mittag- oder Abendessen. Es ist warm und besteht meist aus Reis und Gemüse. Dazu gibt es aber Kaffee, was eine etwas komische Kombi ist.
Wir beschließen, den Tag ruhig angehen zu lassen und nur einen kleinen Ausflug zu einem nahe gelegenen Wasserfall zu machen. Anschließend kaufen wir noch etwas ein, um auch die nächsten beiden Abende wieder selbst zu kochen. Hier ist es einfach zu schön, um ständig wegzufahren. Flo’s Online-Spanischkurs trägt Früchte. Er fragt die Kassiererin auf spanisch, wie es ihr geht. Und sie versteht es auch noch.
Wieder in unserer wunderschönen Unterkunft angekommen flirtet Simona mit dem vorbeilaufenden Waschbären, um ihm ein Fotolächeln zu entlocken, während Flo in der Küche mit Hilfe eines Youtube Videos die Papaya zerlegt.
Den Rest des Tages lassen wir gemütlich auf unserer Terrasse ausklingen. Dabei bekommen wir Besuch von ein paar Kolibris. Abends wird wieder gekocht. Hier in Costa Rica oder wahrscheinlich prinzipiell in den Tropen darf man bei Viehzeug nicht pingelig sein. Während des Essens läuft eine 10cm große Kakerlake über den Weg, auch wenn es sich hier um eine 4-Sterne-Unterkunft handelt, die jeden Stern wirklich verdient hat.

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug in den Marino Ballena Nationalpark. Diesmal fährt Simona nach unten. Die Fahrt nach unten ist ähnlich abenteuerlich wie die Auffahrt, denn auch die Motorbremse im ersten Gang ist bei weitem nicht ausreichend. Die ganze Zeit Bremsen ist aber auch keine Option, da die Bremsen so viel zu heiß werden. Und häufig sind die Hügel so steil, dass man von Fahrersitz aus nicht sieht, was einen erwartet. So ähnlich wie auf einer Wildwasserbahn kurz vor der Abfahrt nach unten. Flo ist nass geschwitzt, aber wir kommen tatsächlich heil unten an. Simona macht das sogar gar nicht so schlecht. Beim Marino Ballena Nationalpark handelt sich eigentlich um einen Strandabschnitt, der bei Niedrigwasser eine Walflosse formt, auf die man laufen und auf den Strand zurück schauen kann. Praktischerweise ziehen hier von August bis Oktober Wale an der Küste vorbei, was den Marketingeffekt der Strandwalflosse noch steigert. Am Eingang gibt es ein Hinweisschild, dass man weder im Fluss schwimmen, noch die Krokodile darin füttern soll. Wir können uns gerade noch so beherrschen. Fehlt nur noch der nicht-streicheln-Hinweis.
Wir schlendern gemütlich über den Strand zur Walflosse und wieder zurück. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und der Sonneneinstrahlung sind wir danach so k.o., dass wir erstmal unter einer Palme Platz nehmen müssen. Überall hängen Kokosnüsse über uns, die sehr absprungbereit aussehen. Bekanntlich werden ja mehr Leute von Kokosnüssen erschlagen als von Haien gefressen. Aber in der Sonne sitzen ist bei 31 Grad auch keine Option und einen schönen Apfelbaum gibts hier halt einfach nicht. Das Wasser ist aufgrund sehr vieler großer Schwebeteile nicht so einladend, sodass wir zumindest von einem längeren Bad Abstand nehmen. Erfrischend ist das Wasser bei 27 Grad Wassertemperatur ohnehin nicht. Wir nehmen lieber später den Pool. Am frühen Nachmittag machen wir uns auf den Rückweg. Zuerst geht es durch Palmenwald, wo wir eine 300m lange Ameisenstraße entdecken. Alle transportieren eifrig ziemlich große Blattstücke zu ihrem Häuschen. Kurz vor dem Ausgang geht es zurück an den Strand. Wir ahnen so langsam, warum überall steht: Best Time for Visiting Uvitas Beaches is at low tide. Haben wir jetzt nicht so meega ernst genommen, wir dachten das gilt nur für die Walflosse. Denn die ist ja logischerweise bei Flut überflutet. Jetzt ist der Weg von der herannahenden Flut abgeschnitten. Wir packen kurzerhand unsere Rucksäcke auf den Kopf und waten durch das hüfttiefe Wasser. Bei Simona ist es eher brusttief. Klingt erstmal nicht so aufregend, aber bei starker Strömung ist es eine kleine Gratwanderung, nicht mit samt Rucksack, Kamera, Portmonie und Handy ins Wasser zu fallen.
Nass aber mit allen unseren sieben Sachen kommen wir schließlich am Ausgang an und machen uns auf den Rückweg in unser kleines Paradies. Mittlerweile haben wir hier – wie so häufig auf unseren Reisen – ein kleines Ritual entwickelt. Wenn man in einem sehr fremden Land ist und noch dazu häufiger den Ort wechselt, braucht man eine Konstante. Bei unserem ersten Einkauf hat Flo eine Tüte entdeckt, in der 12 verschiedene „Chips“-Sorten in kleinen Tütchen abgepackt sind. Wenn wir nach einem anstrengenden Ausflug zum Auto zurückkommen und bei der hohen Luftfeuchtigkeit auch sehr verschwitzt sind, müssen wir damit erstmal unseren Salzhaushalt auffüllen. Wir probieren uns jede Nachmittags-Autofahrt durch zwei Sorten. Bisher schmecken alle fantastisch, viel besser gewürzt als in Deutschland.
„Zu Hause“ angekommen überlegen wir uns, wie die Reise weiter gehen soll, denn weitere Unterkünfte haben wir bisher nicht gebucht. Da es in unserer aktuellen Unterkunft so wahnsinnig schön ist, beschließen wir, um eine weitere Nacht zu verlängern. Danach buchen wir noch 2 Unterkünfte für die weiteren vier Nächte.
Am nächsten Tag beschließen wir, den Naucaya-Wasserfall bei Dominical zu besuchen und mit einer 8km-Wanderung zu verbinden. Flo hat vor unserer Abreise eine Offline-Karte von Google Maps runtergeladen. Also kann ja nichts mehr schief gehen. Erstmal fahren wir den Berg runter und Richtung Süden. Nach 15km auf der Küstenstraße muss es irgendwo rechts in die Berge rein gehen. Simona macht das Offline-Google-Navi an. Das gibt zwar Anweisungen, zeigt jedoch statt einer Landkarte einen schwarzen Bildschirm. Wir müssen jetzt also ein bisschen blind vertrauen. Es geht eine extrem holprige Piste (ähnlich der zu unserer Unterkunft oder vielleicht sogar noch extremer) den Berg hoch, immer weiter. Nach 20 Minuten im Nirgendwo werden wir etwas skeptisch, da es sich angeblich um sehr bekannte Wasserfälle handeln soll. Nach 25 Minuten entdecken wir jedoch ein Schild mit der Aufschrift „Nacuya Waterfall Nature Park“. Ok, sind wir also richtig. Dann fahren wir mal weiter. Die Straße wird immer steiler und holpriger. Nach 30 Minuten beschließt Simona, einen Einheimischen zu fragen, der uns im Auto entgegen kommt. Zum Glück erinnert sie sich geistesgegenwärtig an die Vokabel „Cascada“ (sehr einprägsam, da es hier sehr viele große und kleine Cascadas gibt), denn mit „Waterfall“ wäre sie nicht weit gekommen. Der Mann guckt sehr irritiert, scheint also nicht um die Ecke zu sein. Zum Glück kommt eine weitere Frau des Weges, die Englisch kann und uns erklärt, dass der Weg hier immer schlechter wird und wir nicht weiter fahren sollen. Also den ganzen Weg zurück nach unten auf die Küstenstraße. Da wir uns auf die Navigation des Alternativweges lieber nicht mehr verlassen wollen und es mittlerweile auch schon viertel nach zehn ist, beschließen wir kurzerhand, den Plan zu ändern und das genau vor uns liegende Hacienda Baru Wildlife Reserve zu besuchen. Dabei handelt es sich um ein privates Reservat mit Regenwald und Wildtieren. Wir machen eine sehr schöne Wanderung durch Regenwald und zu einem Aussichtspunkt. Sehr viele Tiere sehen wir dabei zwar nicht, aber die Wanderung ist trotzdem schön.
Wieder in der Unterkunft angekommen, beginnt es zu regnen. Wir gehen im tropischen Regen in den Pool, herrlich. Man muss nur das Handtuch zu Hause lassen und direkt im Bikini zum Pool gehen, dann kann auch nichts nass werden. 😉
Am nächsten Morgen müssen wir uns leider von diesem herrlichen Ort verabschieden. Wir hoffen, dass wir so etwas hier noch öfter finden werden.
Zum Abschied besucht uns beim Frühstück ein Tucanpärchen. 🙂 Die Kamera haben wir leider nicht dabei, deshalb gibt es kein Foto. Der Tucan ist einer DER „Nationaltiere“ von Costa Rica. Es ist ein großer Papagei mit schwarz-buntem Gefieder und einem sehr langen bunten Schnabel. Und er guckt einfach super süß. Man sieht ihn auf einem Foto als Plüschtier ;-).

Unsere Terasse
Blick in den Dschungel und auf den Ozean (hebt sich auf dem Foto vom Himmel nicht gut ab)
Unsere neuen Freunde
Pool mit Aussicht
Uvita Waterfall
Weg zu unserer Unterkunft
Hinweisschild am Eingang des Marino Ballena Nationalpark
Marino Ballena Nationalpark
Marino Ballena Nationalpark
Marino Ballena Nationalpark
Kakaopflanze
Riesiger Ficus Tree
Aussichtspunkt im Hacienca Baru Wildlife Reserve
Hacienda Baru Wildlife Reserve

Waschbär

2 Gedanken zu “DO NOT FEED, DO NOT SWIM

  1. Mit so einer Terrasse können wir nicht mithalten, einfach herrlich! Neben den beeindruckenden Erlebnissen und Entdeckungen, freue ich mich vor allem, dass ihr es euch so gut gehen und es auch mal langsam angehen lasst. Toitoitoi für die nächste Unterkunft!

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