25km Luftlinie nach La Fortuna am Fuße des Vulkan Arenal sind in diesem Fall 115km auf der Straße. Ist man ja in ner Stunde da sollte man meinen, maximal anderthalb Stunden mit Fotostopps. Aufgrund des extrem kurvigen Straßenverlaufs und extrem vieler und tiefer Schlaglöcher (Simona würde halb darin verschwinden) hat man auf der Strecke eine Durchschnittsgewschwindigkeit von 30km/h und braucht dreieinhalb Stunden. Das ist aber nicht so schlimm, denn die Strecke ist landschaftlich sehr schön und wir halten ab und an für ein Foto an bzw. machen eine kleine Mittagspause am Arenalsee. Am frühen Nachmittag erreichen wir unser Hotel, das etwa 2km außerhalb von La Fortuna liegt. Bisher hatten wir immer ein Bed and Breakfast mit maximal 4 Zimmern oder ein Häuschen für uns alleine. Hier in la Fortuna gibt es hauptsächlich größere Hotels, da es sich um ein beliebtes Reiseziel bei Amerikanern handelt. Groß ist in diesem Fall 40 Zimmer, die jedoch sehr schön in einem extrem weitläufigen Gelände mit sehr vielen Bäumen, Blumen, Massen an Kolibris und anderen Vögeln sowie einigen anderen Wildtieren angeordnet sind. Jedes Zimmer ist quasi ein kleiner Bungalow mit eigenem Eingang, eigener Terrasse und Zugang zum riesigen Garten. Zudem gibt es einen großen Pool und drei Whirlpools umgeben von Blumen und Palmen inklusive Kolibris. Einen der Whirlpools müssen wir nach Ankunft am Nachmittag direkt mal testen. Wir nehmen den mittelwarmen, was uns bei einer Außentemperatur von 27 Grad ausreichend erscheint. Auch mit tropischem Regenschauer auf dem Kopf ist der noch ausreichend warm. Ein außergewöhnlich chilliger Kolibri leistet uns dir ganze Zeit Gesellschaft, indem er auf einem Ast sitzt und uns neugierig beobachtet. Ist sonst eigentlich immer andersrum. Neben Kolibris besuchen regelmäßig einige Tucane die umliegenden Bäume.
Am Abend nach dem Essen suchen Simona und Flo mit dem Regenschirm bei immernoch anhaltendem Starkregen auf dem Gelände in den vielen Pflanzen mit der Handy-Taschenlampe nach einem Rotaugenlaubfrosch. Dieser süße Gefährte ist neben Faultier und Tucan eines der putzigen berühmten Tiere Costa Ricas. Er ist nachtaktiv und aufgrund seiner grünen Farbe extrem gut getarnt. Struppel und ich bleiben lieber im Zimmer, uns ist es draußen zu nass. Der costaricanische Nachtwächter des Hotels entdeckt die zwei Gringos*, die im Regen mit Schirm und Handytaschenlampe verzweifelt durchs Gebüsch tapsen. Er quatscht uns auf spanisch an. Nachdem Flo seine neu erworbenen Kenntnisse abgespult hat (es sind mittlerweile drei Sätze), denkt der Nachtwächter wahrscheinlich: prima, die können ja spanisch – und quatscht munter weiter. Wir verstehen natürlich kein Wort. Funktioniert aber auch nicht so gut, ihm das klar zu machen. Also lächeln wir freundlich und bedanken uns mehrfach auf spanisch – für was auch immer. Kurze Zeit später sitzen wir ohne Rotaugenlaubfrosch wieder auf unserer Terrasse und wollen uns gerade bettfertig machen (ist ja auch schon 21 Uhr, also allerhöchste Zeit), als der Nachtwächter mit einem kleinen Rotaugenlaubfrosch auf der Hand vorbei kommt, den er extra für uns gesucht hat. Er ist winzig, viel viel kleiner als wir uns ihn vorgestellt hätten. Super nett, dass der Wächter nicht nur den Frosch, sondern dann auch noch uns gesucht hat, denn er wusste ja gar nicht, welches Bungalow wir haben. So können wir nun glücklich und zufrieden mit Rotaugenlaubfroscherlebnis und nette-Menschen-Erlebnis ins Bett gehen.
Am nächsten Tag gibt es erstmal wieder typisch costaricanisches Frühstück im Hotel. Das läuft eigentlich überall gleich ab: es gibt einen Obstteller vorweg, meist mit Ananas, Wassermelone, Papaya, Orange, manchmal auch Mango und Banane. Dann gibt es ein Hauptgericht mit Reis und Bohnen, Rührei oder Spiegelei und Würstchen oder einer kleinen Portion Geschnetzeltem. Häufig ist auch noch eine fritierte Kochbanane dabei. Dazu stehen immer verschiedene Salsasoßen auf dem Tisch – scharf und weniger scharf. Für mich gibt es zum Glück hier auch ganz viele Möhren und Struppel ist so früh sowieso noch am schlafen. Zu Trinken gibt es wie in Deutschland Orangensaft, Kaffee oder Tee. Nach dem Frühstück beschließen wir, eine Wanderung im Nationalpark Volcan Arenal zu machen. Leider hat das Wetter uns etwas an der Nase entlang geführt und es fängt bereits um 12 Uhr an, zu regnen, sodass wir ziemlich nass werden. Dafür hört es aber um 14 Uhr wieder auf und bleibt den Rest des Tages trocken. Einen regenfreien Abend hatten wir auch länger schon nicht mehr. Flo steigt in die Kolibri-Foto Challange ein und versucht, Simonas Kolibri-Foto zu überbieten. Dabei stolpert er fast über einen grünen Leguan, der sich auf dem Rasen hervorragend tarnt.
Während Flo duscht und sich für das Abendessen umzieht, geht Simona in der Dämmerung – jetzt ohne Regen – nochmal auf Rotaugenlaubfroschsuche. Bereits nach 10 Minuten findet sie einen sehr geselligen Kollegen, der munter vor der Kamera posiert. Vielleicht findet er das auch ziemlich lustig, wie Simona versucht, gleichzeitig mit der Handytaschenlampe zu leuchten, die Blätter im Gebüsch auf Seite zu drehen, aufgrund der Dunkelheit manuell zu fokussieren – das heißt den Ring an der Kamera mit zwei fingern zu drehen, dabei durch den Sucher zu schauen und auch noch abzudrücken. Klappt nach ein bisschen Übung eigentlich ganz gut und der Shooting Star macht einen super Job und dreht sich auch mal ein bisschen nach rechts oder links. Somit ist die Froschfoto-Challange eröffnet. Ab und an quakt der Frosch Simona auch mal an. Ist aber wahrscheinlich auf spanisch, deshalb versteht sie nicht, was er sagen will.
Flo rennt schon unruhig auf und ab wie ein hungriger Tiger, als Simona wieder kommt. Jetzt müssen wir aber schnell was essen gehen. Heute nehmen wir wieder ein typisch mittelamerikanisches Restaurant – sehr lecker.
Am nächsten Tag besuchen wir den Wasserfall von la Fortuna, der sich 70m hinunter in einen natürlichen Pool stürzt, in dem man baden kann. Die Amerikaner, die wir am Vortag am Hotel-Pool getroffen haben, haben uns gewarnt, wie extreeeeeeeemly coooooooold das Wasser ist. Naja, mal sehen, ob es mit dem Rursee mithalten kann. Wir gehen erstmal die 500 Stufen hinunter zum Wasserfall. Die Amerikaner hatten uns auch schon gewarnt, wie extreeeeeeeeemly haaaaaard das runter gehen ist. Und das raufgehen erst, kaum zu schaffen. Die Anstrengung hält sich gerade noch so in Grenzen. Unten angekommen nehmen wir ein Bad im wundervollen Naturpool. Die herunterdonnernden Wassermassen sind jedoch so gewaltig, dass man es kaum schafft, einen halben Meter vom Rand wegzuschwimmen. Das Wasser ist zwar nicht so warm wie der Whirlpool, aber definitiv deutlich wärmer als der Rursee oder die Nordsee im Hochsommer. Ein bisschen weiter Flussabwärts gibt es noch einige ruhigere Badestellen. Flo und Simona beschließen aber, sich das zweite Schwimmen erst nochmal zu verdienen, damit es sich auch richtig erfrischend anfühlt. Sie stellen die Stoppuhr und laufen die 500 Stufen hinauf. Flo hat mit 6 Minuten und 45 Sekunden die Wasserfallchalange gewonnen, Simona ist mit 7 Minuten 45 Sekunden um eine Minute langsamer. Auf dem Weg wieder nach unten begegnen uns einige Amerikaner, die nach 30 Stufen schon keuchen wie nach einem Marathon. Eben extreeeemly haaaaard der Weg. Unten angekommen testen wir jetzt auch die etwas ruhigere Badestelle neben dem Wasserfall, bevor wir am frühen Nachmittag die 500 Stufen wieder hochlaufen. Vielleicht haben wir morgen etwas Muskelkater.
*Gringos ist die mittel- und südamerikanische Bezeichnung für Grünschnäbel, die in Europa oder den USA heimisch sind und sich gerade in Süd- oder Mittelamerika aufhalten.




















Hatte wieder Freude und viel Schmunzeln an Eurem wunderschönen Bericht. Die Fotos — einfach toll! Viel Spaß weiterhin! Ulrike
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