Der Karijini Nationalpark

Die am Ende des letzten Artikels erwähnte Umkürzung beträgt 570km nach Osten, das ist für westaustralische Verhältnisse ein kleiner Sonntagsausflug. Die Fahrt geht stundenlang durch ewige Weite, uns kommt kaum ein Auto entgegen. Es gibt weit und breit kein Handynetz. Draußen sind es 38 Grad. Simona denkt kurz: Wenn wir jetzt einen medizinischen Notfall oder eine Panne hätten….hätten wir zumindest eine Ärztin und einen technisch versierten Maschinenbauingenieur dabei! 

Wir übernachten auf einem Campingplatz in Paraburdoo ca. 100km vor den Toren des Nationalparks mitten im Nichts. Das hinterste Eifendorf könnte man im Gegensatz dazu bei den Wohnungsanzeigen als „sehr zentral gelegen“ bewerben. Bei Paraburdoo handelt es sich um eine Minenstadt, die zum Abbau von Eisenerz in der Nähe für die Arbeiter angelegt wurde. Auch der Campingplatz ist eigentlich eine Ansammlung aus Wohncontainern für die Minenarbeiter. Es gibt zusätzlich noch ein paar Stellplätze für Wohnmobile auf der Durchreise, so wie wir. Wir brauchen eine Dusche, egal wo. Und so nehmen wir diesen einzigen Campingplatz in Paraburdoo, auch wenn er mehr funktional als schön ist. 

Am nächsten Morgen fahren wir in den Karijini Nationalpark. Wir fahren zunächst in den westlichen Teil des Parks, zur Hankock Gorge und Weano Gorge. Dahin führt leider nur eine 13km lange, sehr sehr schlechte Gravel Road mit extremen Corrigations (kleine Wellen, die extremes Rütteln verursachen). Auf so einer Straße können 13km richtig lang werden. Wir haben kurz Bedenken, dass das Auto gleich in alle Einzelteile zerfällt und wir die Tür festhalten müssen, damit sie nicht abffällt. Aber es kommt erstaunlicher Weise unbeschadet und am Stück am Parkplatz an. Noch nicht einmal das Geschirr hat einen Sprung und Flos Laptop funktioniert auch noch, obwohl er einen Ausflug quer durchs Auto gemacht hat.  Überall ist eine feine tiefrote Staubschicht. Auch auf Simonas frisch angezogenem weißen Top (war nicht so schlau, ist jetzt aber zu spät).

Als erstes steigen wir hinab in die Hankock Gorge. Um den Wanderweg zu bestreiten und zum „Kermits Pool“ am Ende des Weges zu gelangen, müssen immer wieder kleine Pools durchwatet oder durchschwommen werden. Manchmal muss man sich auch durch einen schmalen Felsspalt quetschen. Diese Wanderung ist wirklich etwas ganz Besonderes. So etwas haben wir noch nicht erlebt. Simona und Flo sind völlig fasziniert. Wieder oben am Schluchtrand angekommen, beschließen wir, auch noch in die Weano Gorge hinabzusteigen, mit der Annahme, dass diese sicher nicht so schön sein könne wie die erste. Der Weg zum „Handrail Pool“ am Ende des Weges ist tatsächlich nicht so spannend wie der erste, aber das Ziel, der „Handrail Pool“ ist einfach umwerfend. Ein natürlicher Pool umgeben von 40 Meter hohen Felswänden, in dem man schwimmen kann. An einer Stelle des Pools kann man durch einen schmalen Spalt noch weiter in die immer enger werdende Schlucht hineinwaten/-schwimmen, bis man am Ende einen zweiten, kleinen Pool erreicht. Wenn man alleine ist, ist es fast ein bisschen unheimlich. Ein wirklich unbeschreibliches – fast verzauberndes – Erlebnis. 

Am Abend rappeln wir zurück zur Hauptstraße und halten dabei vorsichtshalber die Türen fest. Wir übernachten auf dem Nationalpark-Campingplatz inahe der Dales Gorge. Am nächsten Tag erwandern wir die Dales Gorge mit ebenfalls einigen erfrischenden Pools und Wasserfällen zwischendrin. Hier ist es ganz anders als am Vortag, viel grüner, offener und sonniger. 

Die „Umkürzung“ über den Karijini Nationalpark hat sich also wirklich gelohnt!

Ein Gedanke zu “Der Karijini Nationalpark

  1. Unglaublich schöne Bilder und spannende Schwimm-Wat-Wanderung. Genießt noch die letzten Tage auf dem australischen Kontinent! Viele Grüße aus Essen!

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